Spiking-Risiko: So schützt du dich im Club
Komplett verhindern lässt sich das leider nicht. Aber du kannst das Risiko reduzieren. Noch wichtiger: Du kannst Warnzeichen erkennen und wissen, was jetzt zu tun ist.
Was ist Spiking?
Beim Spiking werden einer Person heimlich Substanzen verabreicht – häufig über ein Getränk.
Oft ist pauschal von K.-o.-Tropfen die Rede. Dahinter steckt aber kein einzelner Stoff. Missbraucht werden können beispielsweise GHB oder GBL, Medikamente oder andere psychoaktive Substanzen.
Das Problem: Viele infrage kommende Stoffe lassen sich in einem Getränk nicht zuverlässig an Geschmack, Geruch oder Aussehen erkennen.
Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen
Entscheidend ist nicht ein einzelnes Symptom, sondern eine plötzlich auftretende Reaktion, die nicht zu deinem bisherigen Alkohol- oder sonstigen Konsum passt.
Mögliche Warnzeichen sind:
- plötzlicher starker Schwindel
- Übelkeit
- ungewöhnliche Müdigkeit oder Benommenheit
- Wahrnehmungsstörungen
- Probleme beim Gehen oder Sprechen
- starke Enthemmung oder ungewöhnliche Euphorie
- Orientierungslosigkeit
- Erinnerungslücken oder „Filmriss“
- Bewusstlosigkeit
Diese Symptome sind kein Beweis für Spiking. Sie können auch andere medizinische Ursachen haben.
Aber: Wenn dein Zustand plötzlich stark kippt, solltest du nicht abwarten.
So kannst du dich beim Feiern schützen
Behalte deinen Drink im Blick
- Bestell dein Getränk möglichst selbst und nimm es direkt entgegen.
- Lass offene Gläser oder Flaschen nicht unbeobachtet stehen. War dein Drink längere Zeit aus deinem Blickfeld und du bist unsicher, trink ihn nicht weiter.
- Nimm offene Getränke möglichst nicht von Personen an, denen du nicht vertraust.
Verlass dich nicht auf Geschmack oder Geruch
- Du kannst nicht zuverlässig schmecken, riechen oder sehen, ob einem Drink eine Substanz zugesetzt wurde.
- Auch Tests für Getränke können keinen vollständigen Schutz garantieren, weil sie nicht zwangsläufig jede mögliche Substanz erkennen.
Macht aus eurer Clique ein Team
- Der beste Schutz ist erstaunlich unspektakulär: Passt aufeinander auf.
- Wenn jemand plötzlich erheblich stärker beeinträchtigt wirkt, als es die konsumierte Alkoholmenge erklären würde, nehmt das ernst.
- Lasst die Person nicht allein und informiert bei Bedarf Clubpersonal oder Security.
Lasst niemanden mit Fremden verschwinden
- Besondere Aufmerksamkeit ist gefragt, wenn sich plötzlich jemand intensiv um eine stark beeinträchtigte Person kümmert und anbietet, sie „nach Hause zu bringen“.
- Organisiert den Heimweg innerhalb eurer Gruppe oder holt Unterstützung.
Ist Spiking für Studierende in Köln besonders gefährlich?
Hier lohnt sich ein nüchterner Blick: Es gibt keine belastbaren Daten, die zeigen, dass Studierende in Köln grundsätzlich häufiger Opfer von Spiking werden als Studierende in anderen Großstädten.
Köln hat allerdings ein sehr großes Nachtleben und Veranstaltungen, bei denen viele Menschen gleichzeitig feiern – etwa Karneval, Festivals, Konzerte oder große Partys.
In dicht gedrängten Situationen kann es schwieriger sein, Getränke und Freundeskreis ständig im Blick zu behalten.
Daraus folgt aber nicht, dass bestimmte Kölner Clubs oder Veedel automatisch gefährlicher wären.
Spiking und freiwilliger Drogenkonsum sind nicht dasselbe
Beim Spiking wird dir ohne deine Zustimmung eine Substanz verabreicht.
Davon zu unterscheiden ist freiwilliger Drogenkonsum. Auch der kann erhebliche Risiken bergen: Bei illegal erworbenen Substanzen sind Zusammensetzung und Wirkstoffmenge nicht immer zuverlässig bekannt.
Besonders riskant kann außerdem Mischkonsum, etwa mit Alkohol oder anderen Drogen, sein.
Verdacht auf Spiking: Das solltest du jetzt tun
1. Sag sofort jemandem Bescheid
Sag einer vertrauten Person, dem Clubpersonal oder der Security möglichst klar:
„Mit mir stimmt etwas nicht. Ich glaube, mir wurde etwas verabreicht.“
Bleib nicht allein.
Geh nicht allein nach Hause.
2. Bei schweren Symptomen: 112
Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Krampfanfällen oder einem anderen bedrohlichen Zustand:
112 anrufen.
Ist eine Person bewusstlos, atmet aber normal, gehört sie in die stabile Seitenlage. Die Atmung muss weiter kontrolliert werden, bis der Rettungsdienst übernimmt.
3. Lass dich schnell medizinisch untersuchen
Bei einem konkreten Spiking-Verdacht zählt Zeit.
Manche infrage kommenden Substanzen sind nur kurze Zeit in Blut oder Urin nachweisbar. Wie lange genau, hängt unter anderem von der jeweiligen Substanz ab.
Deshalb: möglichst schnell ärztliche Hilfe suchen und ausdrücklich sagen, dass der Verdacht auf eine unbemerkte Substanzgabe besteht.
4. Wenn du einen sexuellen Übergriff nicht ausschließen kannst
Auch ohne sichtbare Verletzungen solltest du dir medizinische Unterstützung holen.
In Köln gibt es die Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS). Dabei können Spuren gesichert werden, ohne dass du sofort eine Strafanzeige stellen musst.
Die Untersuchungen finden in beteiligten Kölner Krankenhäusern statt. Welche Kliniken aktuell teilnehmen, steht auf der ASS-Seite.
Wenn es möglich ist, solltest du vor der Spurensicherung nicht duschen und die Kleidung der betreffenden Nacht nicht waschen.
Aber ganz wichtig: Eine notwendige medizinische Behandlung hat immer Vorrang.
Hilfe bei sexualisierter Gewalt in Köln
Mit EDELGARD gibt es in Köln zusätzlich ein lokales Hilfsangebot gegen sexualisierte Gewalt.
Bei bestimmten Großveranstaltungen ist EDELGARD mobil im Einsatz. Die Beratungsteams können Betroffene unterstützen, zur Polizei oder ins Krankenhaus begleiten oder dabei helfen, sicher nach Hause zu kommen.
Die Einsatzzeiten wechseln und werden jeweils aktuell bekannt gegeben.
Dein Clubabend in fünf Regeln
- Drink im Blick behalten.
- Aufeinander achten.
- Plötzliche ungewöhnliche Symptome ernst nehmen.
- Betroffene nicht allein lassen.
- Bei einem Verdacht schnell medizinische Hilfe holen.
Du musst nicht beweisen können, dass dir jemand eine Substanz verabreicht hat, bevor du Hilfe suchst.
Wenn sich dein Zustand plötzlich nicht mehr mit dem erklären lässt, was du tatsächlich getrunken oder konsumiert hast, ist das Grund genug zu reagieren.
Wichtige Kontakte in Köln
Rettungsdienst / medizinischer Notfall
Telefon: 112
Polizei
Telefon: 110
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Telefon: 116117
Für dringende medizinische Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind.
Giftnotruf Bonn für Nordrhein-Westfalen
Telefon: 0228 19240
24 Stunden erreichbar.
Jugendsuchtberatung @nsprechbar – Drogenhilfe Köln
Für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre
Krefelder Straße 5
50670 Köln
Telefon: 0221 997873-0
Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen – Frauen gegen Gewalt e. V.
Christinastraße 62
50733 Köln
Telefon: 0221 562035
EDELGARD mobil
Hilfe bei sexualisierter Gewalt bei ausgewählten Kölner Großveranstaltungen
Telefon während der jeweiligen Einsatzzeiten: 0221 221-27777