Lebenshaltungskosten

Warum Berlin für Studierende immer teurer wird – und was wirklich dahintersteckt

Frau vor dem Brandenburger Tor.
Die Hauptstadt bleibt attraktiv, wird aber für Studierende zunehmend kostspielig. (Foto: ©stock.adobe.com/zigres)
Berlin hat lange vom Ruf gelebt, „irgendwie bezahlbar“ zu sein: bisschen improvisieren, bisschen Nebenjob, dann klappt das schon. Genau dieses Gefühl kippt gerade. Nicht, weil Studierende plötzlich luxuriöser leben wollen – sondern weil die Fixkosten in der Hauptstadt immer öfter den Takt vorgeben. Vor allem beim Wohnen.
Mittwoch, 25.02.2026, 10:04 Uhr, Autor: Daniela Müller

Wohnen frisst das Budget – und Berlin ist deutschlandweit Spitze

Der Hauptgrund ist simpel: Miete. Eine aktuelle Auswertung des Moses Mendelssohn Instituts (in Kooperation mit WG-Gesucht.de) ordnet Berlin im Ländervergleich als teuersten Standort ein: Studierende zahlen dort im Schnitt 650 Euro fürs Wohnen. 

Und auch wenn „Durchschnitt“ nicht heißt, dass jeder so viel zahlt: Es zeigt, wohin der Trend läuft. Besonders deutlich wird’s bei der Dynamik: Seit 2019 sind die studentischen Wohnkosten in Berlin laut derselben Analyse um 170 Euro gestiegen. 

Für WG-Zimmer kursieren je nach Erhebung unterschiedliche Indikatorwerte – eine häufig zitierte Größe aus dem MMI/WG-Gesucht-Kontext liegt für ein Muster-WG-Zimmer (20 m²) in Berlin bei 624 Euro (Wintersemester 2025/26).
Heißt übersetzt: Wer neu sucht, braucht nicht „Glück“, sondern fast schon ein Wunder – oder sehr viel Zeit, Kontakte und Nerven.

Wohnheime wären die Rettung – sind aber knapp

Wohnheimplätze sind in vielen Städten Mangelware. Bundesweit meldete das Deutsche Studierendenwerk zu Beginn des Wintersemesters 2024/25 rund 33.000 Studierende auf Wartelisten (bei elf Studierendenwerken, die Zahlen liefern konnten). 

Und Berlin? Hochschulen weisen selbst darauf hin, dass die Wartezeit über Wartelisten mindestens drei Semester betragen kann. Drei Semester sind nicht „kurz überbrücken“. Das ist für viele: länger pendeln, überteuerte Zwischenmiete, Sofa-Hopping – oder das Studium gleich woanders anfangen.

BAföG hilft – aber die Wohnpauschale passt oft nicht zur Realität

Jetzt kommt der nächste Knackpunkt: Unterstützungssysteme laufen der Preisentwicklung hinterher. Beim BAföG liegt der Bedarf für Unterkunft (Wohnkostenpauschale) seit Herbst 2024 bei 380 Euro. Das Problem daran ist nicht, dass 380 Euro „wenig“ klingen – sondern dass Berlin-Werte weit darüber liegen.

Auch der maximal mögliche BAföG-Bedarfssatz (je nach Alter/KV/PV-Situation) zeigt die Dimension: Für auswärts Wohnende in der Altersgruppe 25 bis 29 sind es 992 Euro (inklusive KV/PV-Zuschlägen). Wenn davon aber schon 600+ Euro ins Wohnen gehen, bleibt für Essen, Lernmittel, Handy, Kleidung, Kultur und das Leben in dieser Stadt schnell nur noch „Restgeld“.

Semesterbeitrag & Ticket: planbar – aber trotzdem ein Brocken 

Viele denken beim Teurerwerden sofort an Miete und Supermarkt. Aber selbst fixe Uni-Kosten sind spürbar. Ein Beispiel: An der Freien Universität Berlin liegt der Semesterbeitrag für Wintersemester 2025/26 (und auch SoSe 2026) bei 358,80 Euro – darin enthalten u. a. 213,80 Euro fürs Deutschlandsemesterticket (inkl. Sozialfonds). 

Das Ticket ist im Vergleich zum regulären Deutschlandticket stark rabattiert: Das Deutschlandsemesterticket kostet 34,80 Euro pro Monat (208,80 Euro pro Semester) – während das reguläre Deutschlandticket seit 01.01.2026 bei 63 Euro pro Monat liegt.
Kurz: Das Semesterticket ist für viele ein Deal. Aber der Betrag landet eben trotzdem auf der Rechnung – pünktlich, auf einen Schlag, vor Semesterstart.

Was das im Alltag bedeutet: Mehr Job, weniger Studium, weniger Berlin

Wenn Wohnen und Fixkosten steigen, passiert etwas, das man in keiner Statistik direkt sieht: Zeit wird knapp. Wer 15–20 Stunden die Woche arbeitet (oder mehr), hat weniger Luft für Seminare, Prüfungsphasen, Praktika, Engagement – und schlicht fürs Durchatmen. Der „Berlin-Vibe“ wird dann nicht Club und Kultur, sondern Schichtplan und Wohnungsanzeigen.

Und das hat eine soziale Seite: Berlin droht wieder stärker zu selektieren. Nicht offiziell durch Gebühren – sondern leise über den Wohnungsmarkt. Wer familiär abgesichert ist, kann Berlin „trotzdem“ machen. Wer es nicht ist, muss kreativ werden: weiter draußen wohnen, länger pendeln, Studium strecken oder den Standort wechseln.

Was jetzt helfen würde – damit Berlin nicht nur für Gutverdiener-Kids studierbar bleibt

Wenn Berlin studierbar bleiben soll, braucht es weniger Durchhalteparolen und mehr Struktur:

  • Mehr Wohnheimplätze und studentisches Bauen, sonst bleibt der private Markt die einzige Option. (Der bundesweite Wartelistendruck ist längst dokumentiert.)
  • Wohnkostenpauschale im BAföG realitätsnäher gestalten – denn 380 Euro sind in teuren Städten häufig nicht mehr der Maßstab.
  • Sozialfonds und Härtefall-Regelungen rund ums Semesterticket/Beitrag bekannter machen – viele wissen gar nicht, dass es Unterstützungswege gibt (je nach Hochschule/AStA-Strukturen).

Berlin wird nicht „billig“ werden. Aber es kann fairer werden. Sonst bleibt am Ende vom Mythos „Studieren in Berlin“ vor allem eins übrig: der Preis.

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