Turamichele Augsburg: Was hinter dem kuriosen Brauch steckt
Die Tradition gehört zu Augsburg wie der Perlachturm selbst. Normalerweise erscheint der Erzengel Michael rund um den 29. September in einem Fenster des Turms und stößt im Takt der Glockenschläge mit seiner Lanze auf den Teufel ein.
Klingt speziell? Ist es auch.
Turamichele in 30 Sekunden
Was? Ein jahrhundertealtes Augsburger Figurenspiel mit Erzengel Michael und dem Teufel.
Wann? Traditionell rund um den Michaelitag am 29. September.
Seit wann? Sicher belegt seit 1616, wahrscheinlich älter.
Wo? Normalerweise im Perlachturm am Rathausplatz.
Was ist 2026 anders? Wegen der Sanierung des Perlachturms übernimmt die Augsburger Puppenkiste.
Turamichele-Fest 2026: 26. und 27. September, jeweils 10 bis 18 Uhr.
Eintritt: kostenlos.
Was ist das Turamichele überhaupt?
„Turamichele“ bedeutet sinngemäß Turm-Michael.
Gemeint ist der Erzengel Michael, der nach christlicher Überlieferung das Böse besiegt. Sein Gedenktag ist der 29. September, der sogenannte Michaelitag.
In Augsburg wurde daraus ein ziemlich handfestes Schauspiel: Michael steht über dem Teufel und stößt mit seiner Lanze auf ihn ein.
Traditionell zählt das Publikum auf dem Rathausplatz die Stiche laut mit.
Pädagogisch subtil ist anders. Aber seit Generationen haben Augsburger Kinder und (auch Erwachsene) das Geschehen unbeschadet überstanden, sodass auch in diesem Jahr nichts gegen einen Besuch des Spektakels spricht.
Seit wann gibt es das Turamichele?
Wie alt das Turamichele genau ist, lässt sich nicht sicher sagen.
Oft wird 1526 als Beginn genannt, belegt ist dieses Datum allerdings nicht.
Die früheste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1616. Aus der Familienchronik des Augsburger Stadtbaumeisters Elias Holl geht zugleich hervor, dass es schon zuvor eine Michaelsfigur gegeben haben muss.
Damit gehört das Turamichele zu den ältesten bis heute gepflegten Bräuchen der Stadt.
Augsburg war sogar einmal ohne Turamichele
Nach dem Anschluss Augsburgs an Bayern im Jahr 1806 wurde das alljährliche Schauspiel verboten.
Im Geist der Aufklärung galt der Brauch als nicht mehr zeitgemäß.
Erst 1822 durfte das Turamichele wieder gezeigt werden.
Was hat der Perlachturm damit zu tun?
Das Turamichele gehört normalerweise zum Perlachturm direkt neben dem Rathaus.
Die heutige Figur ist allerdings nicht das jahrhundertealte Original.
Bei den Luftangriffen auf Augsburg wurde die damalige Figurengruppe 1944 zerstört.
Von 1946 bis 1948 stellte man das Turamichele deshalb zeitweise als „lebendes Bild“ mit Tänzern der Städtischen Bühnen nach.
1949 entstand schließlich eine neue Figurengruppe des Bildhauers Karl Hoefelmayr.
Diese Figur ist normalerweise die Hauptdarstellerin im Perlachturm.
Momentan hat sie allerdings Zwangsurlaub.
Warum sieht das Turamichele 2026 anders aus?
Der Perlachturm wird umfassend saniert.
Die Turamichele-Figur wurde deshalb bereits 2025 aus dem Turm geholt und zur Restaurierung in eine Fachwerkstatt nach Friedberg gebracht.
Nach aktuellem Stand soll die Sanierung des Perlachturms im Frühjahr 2028 abgeschlossen sein.
Auf das Turamichele müssen die Augsburger trotzdem nicht verzichten.
Turamichele 2026: Jetzt übernimmt die Puppenkiste
Am Samstag, 26. September, und Sonntag, 27. September 2026 findet das Turamichele-Familienfest auf dem Rathausplatz statt.
Wann: jeweils 10 bis 18 Uhr
Wo: Rathausplatz Augsburg
Eintritt: kostenlos
Weil das traditionelle Figurenspiel im Perlachturm während der Sanierung nicht möglich ist, übernimmt wie schon 2025 die Augsburger Puppenkiste.
Auf einer Bühne wird die Geschichte des Turamicheles als Marionettenspiel erzählt – inklusive Kasperl und dem traditionellen Kampf zwischen Gut und Böse.
Stündlich wird die Geschichte des Turamicheles auf der Bühne erzählt. Anschließend steigen Luftballons mit Friedensgrüßen in den Himmel.
Dazu gibt es Mitmachaktionen sowie Essen und Getränke.
Lohnt sich das Turamichele auch ohne Kinder?
Machen wir uns nichts vor: Wenn du auf Studentenparty hoffst, bist du hier falsch.
Wenn du neu in Augsburg bist, lohnt sich ein Besuch aber definitiv trotzdem.
Das Turamichele gehört zu den Traditionen, die man kennen sollte, wenn man verstehen will, warum diese Stadt an manchen Stellen etwas anders tickt.
Einmal über den Rathausplatz laufen, das Puppenspiel anschauen und anschließend erklären können, weshalb die Augsburger Ende September einem lanzenbewaffneten Engel zujubeln – Stadtkunde erledigt.
Warum das Turamichele typisch Augsburg ist
Der Brauch verbindet mehrere Dinge, die für Augsburg ziemlich typisch sind:
alte Stadtgeschichte,
christliche Tradition,
ein ziemlich eigenwilliges Ritual
und heute ein großes Familienfest mitten in der Innenstadt.
Genau deshalb hält sich das Turamichele seit Jahrhunderten.
Und genau deshalb begegnet dir der Name in Augsburg Ende September plötzlich überall.
FAQ zum Turamichele Augsburg
Wann ist das Turamichele 2026?
Das Turamichele-Familienfest findet am 26. und 27. September 2026 auf dem Augsburger Rathausplatz statt.
Geöffnet ist an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr.
Warum heißt es Turamichele?
Der Name lässt sich mit „Turm-Michael“ übersetzen.
Gemeint ist der Erzengel Michael im Perlachturm.
Warum sticht das Turamichele auf den Teufel ein?
Das Figurenspiel greift die christliche Darstellung des Erzengels Michael als Bezwinger des Bösen auf.
In Augsburg wird dieser Kampf mit einer beweglichen Michaels- und Teufelsfigur dargestellt.
Ist das Turamichele 2026 im Perlachturm zu sehen?
Nein.
Wegen der Sanierung des Perlachturms kann das traditionelle Figurenspiel dort derzeit nicht stattfinden.
2026 erzählt stattdessen die Augsburger Puppenkiste die Geschichte auf einer Bühne am Rathausplatz.
Kostet das Turamichele Eintritt?
Nein. Der Besuch des Turamichele-Familienfests 2026 ist kostenlos.