Lokale Tradition

Trachten Augsburg: Dirndl und Lederhose sind in!

Mann und Frau in Tracht.
Trachten sind vielfältig: Die traditionelle Festtracht des Trachtenverein Lechhausen unterscheidet sich deutlich von der Trachtenmode auf dem Plärrer. (Foto: © Lukas Kunze)
Pack die Lederhose aus! Bald ist wieder Plärrer. Wieso Dirndl und Trachten voll in Mode sind und was es mit der bayerischen Tradition in Augsburg auf sich hat, erfährst du hier.
Donnerstag, 24.07.2025, 14:15 Uhr

Auf dem Oktoberfest sieht man sie überall: Dirndl und Lederhose. Längst tragen nicht mehr nur alteingesessene Bayer:innen das festliche Outfit. Besucher:innen aus aller Welt präsentieren sich gerne in Tracht. Auch auf dem Augsburger Plärrer gehören Dirndl und Lederhose längst zur Standardklamotte im Bierzelt. Doch wie viel hat die heutige Trachtenmode noch mit der kulturellen Tradition zu tun? Und was steckt hinter dem lokalen Brauchtum in Augsburg? Wir nehmen das Thema Trachten in Augsburg genau unter die Lupe.

Inhalte im Überblick

Historischer Ursprung der Tracht: Alles nur PR?

Woher kommt die Tracht? Schauen wir zurück in die Geschichte. Die Ursprünge der Tracht liegen im Mittelalter. Damals wurde die robuste Kleidung von Bauern und Handwerkern im Alltag getragen. Aber die traditionelle Festtagstracht – heute DAS Markenzeichen von Bayern, ist eigentlich noch gar nicht so alt. 

Erst im 19. Jahrhundert wurde Tracht plötzlich in – und das lag vor allem an den bayerischen Königen. König Maximilian II. war einer der Ersten, der das Landleben und die Kleidung der Bauern romantisch fand. Er unterstützte Trachtenvereine und wollte damit das bayerische Brauchtum bewahren. Sein Sohn, der legendäre König Ludwig II., war ebenfalls ein großer Fan der alpenländischen Kultur und ließ sich selbst gern in Tracht malen. Für ihn war sie Ausdruck echter Heimatliebe und bayerischer Identität.

Dank dieser royalen Promo wurde die Tracht vom einfachen Bauerngewand zum Symbol für bayerischen Stolz – und später zum festen Bestandteil von Volksfesten wie dem Oktoberfest oder dem Plärrer.

Fun Fact: Das erste Oktoberfest 1810 war die Hochzeitsfeier von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der Theresienwiese (deshalb auch „Wiesn“). Damals traten 16 Kinderpaare in Trachten auf, die die verschiedenen Regionen Bayerns repräsentieren sollten. Von den Gästen trug keiner Tracht. Der Trend, auf der Wiesn in Dirndl & Lederhose zu feiern, boomt erst seit dem 20. Jahrhundert – vor allem in den 1990ern erlebte die Tracht ein Revival.

Du willst mehr erfahren über die Geschichte des Dirndls? Im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) ist noch bis zum 19.10.2025 die Ausstellung „DIRNDL – Tradition goes Fashion“ zu sehen. Absoluter Tipp!

Im Gespräch mit einem Trachtenverein – zwischen Tradition & Trend

Wir wollen es genauer wissen: Wie wird die Tradition der Trachten heute gelebt? Und woher kommen die Wurzeln der Augsburger Tracht? Kann ich zu meinem Dirndl Sneaker tragen? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Toni Kürzinger (33) vom Oberbayrischen Volkstrachtenverein Augsburg-Lechhausen im persönlichen Gespräch. Toni Kürzinger ist schon sein ganzes Leben lang im Trachtenverein Lechhausen aktiv und seit 5 Jahren als Vorstand tätig.

Wie kommt die Tracht eigentlich nach Augsburg?

Unsere Tracht kommt nicht direkt aus Augsburg. Wir haben Vorfahren aus den alpenländischen Regionen rund um Miesbach und den Schliersee. Viele sind damals von dort weggezogen und in die Stadt gegangen, weil sie Arbeit gesucht haben. Und weil ihnen ein Stück Heimat gefehlt hat, haben sie sich zu Trachtenvereinen zusammengeschlossen, um ihre Bräuche und Traditionen zu bewahren.

Was ist der Unterschied zwischen einem Dirndl und einer Tracht?

Das, was auf dem Plärrer oder auf der Wiesn getragen wird, ist eigentlich keine echte Tracht. Dirndl und Lederhosen waren damals Arbeits- und Alltagskleidung. Die richtige Tracht ist nur zu feierlichen Anlässen rausgekommen und war was ganz Besonderes.

Toni Kürzinger, Trachtenverein Lechhausen

Zu einer echten Tracht gehört Trachtenschmuck mit Silbergeschnür. Sie ist hochwertig verarbeitet und besteht aus teuren Materialien wie Seide. Im Gegensatz dazu ist das Dirndl relativ einfach gehalten. So ein Alltagsdirndl ist schnell zusammengenäht und nicht so aufwendig gestaltet.

Wie sieht eine typische Augsburger Tracht aus?

Eine typische Augsburger Tracht gibt es nicht.

Toni Kürzinger, Trachtenverein Lechhausen

Die Trachtenvereine hier vor Ort haben alle eine Gebirgstracht, und Gebirge haben wir in Augsburg keine. Eine traditionelle Tracht aus der Region wäre wenn dann schon eher die Schwäbische Tanztracht, die wir aus Gablingen kennen. Aber eine klassische Tracht aus der Stadt Augsburg selbst gibt es in meinen Augen nicht.

Was bedeutet die Tracht für Sie persönlich?

Tracht bedeutet für mich ein Stück Heimat. Meine Familie war schon immer im Trachtenverein aktiv. Ich bin da quasi reingeboren worden und fühle ich mich auch heute noch gut aufgehoben dort.

Sind Trachten wieder in Mode?

Ja schon, heute ist man dem Thema gegenüber aufgeschlossener als früher. Als ich klein war und in der Schule mit Lederhose rumgelaufen bin, wurde ich dafür ausgelacht. Das hat sich schon gewandelt. Heute ist es wieder ein Stück weit normal. Gerade auf Festen werde ich eher blöd angeschaut, wenn ich keine Lederhose trage. Die Kleidungsstücke, die wir auf dem Plärrer sehen, sind aber eine Modeerscheinung.

Ein Dirndl mit Turnschuhen zu tragen, ist schon sehr weit von der Wurzel der Tradition entfernt. Zu einem echten Trachtenoutfit gehört passendes Schuhwerk. Aber letztlich ist das Geschmackssache.

Toni Kürzinger, Trachtenverein Lechhausen

Wir als Trachtenverein freuen uns auf jeden Fall über das Interesse, das dem Thema entgegengebracht wird. Auch das Zugehörigkeitsdenken spielt eine große Rolle dabei: Wenn ein Paar aus einer Gruppe beschließt, in Dirndl und Lederhose zu kommen, ziehen die anderen oft mit. Durch die Kleidung entsteht ein Gruppengefühl, das vielen gefällt. Genau so war es von König Ludwig ja auch gedacht: Dass die Tracht das Volk verbindet und die Gemeinschaft fördert.

Ist es ein Trend, in Tracht zu heiraten?

Ja, es wird wieder vermehrt im Dirndl geheiratet. Im Brauchtum gibt es sogar eine eigene Hochzeitstracht, den sogenannten Schalk. Der ist nochmal aufwendiger gestaltet und verziert. Verheiratete Frauen tragen zu den Festtagen dann nur noch ihre Hochzeitstracht. Heutzutage wollen viele im Dirndl heiraten, weil es einfach schick ist.

Mit einem Dirndl oder einer Lederhose ist man immer gut angezogen. Egal ob ich mich mit Freunden im Biergarten treffe oder ein Staatsempfang ist – in der Lederhose bin ich sauber gekleidet.

Toni Kürzinger, Trachtenverein Lechhausen

Wie begeistert ihr junge Leute für das Thema Trachten?

Das ist gar nicht so einfach. Wir haben verschiedene Veranstaltungen mit traditionellen Tänzen, Musik und Bauerntheater. Uns ist es wichtig, unsere Bräuche an die junge Generation weiterzugeben. Gerade in der Stadt gibt es aber so viele Vereine und Freizeitmöglichkeiten, dass ein Trachtenverein oftmals nicht an oberster Stelle steht. Wenn neue Leute zu uns kommen, finden sie das, was wir machen, ziemlich cool und bleiben auch gerne bei uns. Aber die Leute überhaupt erstmal zu erreichen, ist für uns schwierig. Klar, auf Social Media sind wir schon aktiv. Aber auch da muss uns erstmal jemand folgen, um mitzukommen, dass es uns gibt und was wir so machen.

Was steht 2025 bei euch im Verein an?

Neben unseren Vereinstreffen haben wir immer wieder auch öffentliche Veranstaltungen, wo man zum Zuschauen kommen kann. Die nächste ist der „Hoigarten in der Krone“ am 20. September. Das ist ein geselliger Abend mit offenem Programm. Wir machen zusammen Musik, man kann die Volkstänze ausprobieren und verbringt ganz ungezwungen Zeit zusammen. Und am 17. Oktober feiern wir im Festzelt der Kirchweih Lechhausen einen großen Jubiläumsheimatabend mit anderen Vereinen aus dem Umkreis. Unser Verein wurde 1905 gegründet. Das heißt, wir haben dieses Jahr unser 120-jähriges Jubiläum und das 100-jährige Jubiläum unserer vereinseigenen Trachtenkapelle.

Du hast Lust, mitzumachen? Bock auf Theater oder Blasmusik? Dann schau einfach mal vorbei. Neue Gesichter sind gern gesehen. Auf der Webseite des Trachtenvereins Lechhausen findest du alle Infos und Kontakte.

Tracht kaufen in Augsburg

Wer aus Bayern kommt, besitzt vielleicht schon ein Dirndl oder eine Lederhose. Für viele Leute aus anderen Regionen Deutschlands ist das Thema Trachtenmode absolutes Neuland. Dein erster Plärrerbesuch steht bald an? Keine Panik. In Augsburg findest du alles, was du brauchst. Online bestellen ist praktisch, ja. Aber gerade, wenn du dir dein erstes Trachtenoutfit zulegst, ist die Anprobe im Laden vor Ort ein echter Win. So findest du easy die passende Größe und kannst dich auch gleich zu den neuesten Trends der Saison beraten lassen.

Trachtenmode in Augsburg

  • Leder & Trachten Huber Augsburg: lokaler Familienbetrieb in Oberhausen
  • MOSER Trachten: Bayernweite Kette mit großer Auswahl, Filiale in Lechhausen
  • Wirkes Dirndl Trachten & Ledermoden: Bayernweite Kette mit Filiale neben der City-Galerie
  • Ninnerl Trachtenmanufaktur: handgefertigte Dirndl aus Bayern

Feste in Augsburg und Umgebung mit Dirndl-Dresscode

Keine Frage: Trachtenmode ist nicht ganz günstig. Du bist dir nicht sicher, ob sich die Anschaffung eines Dirndls nur für einen Bierzeltabend auf der Wiesn wirklich lohnt? Wir sagen: Ja! Denn auch abseits vom großen Münchner Oktoberfest findest du rund um Augsburg viele tolle Anlässe, um dein neues Dirndl auszuführen oder in Lederhosen zu feiern. 

Volksfeste in der Region:

  • Gögginger Frühlingsfest (März)
  • Augsburger Osterplärrer (April)
  • Gautsch in Königsbrunn (Juni/Juli)
  • Laurentismarkt in Bobingen (August)
  • Festwoche Thierhaupten (August)
  • Augsburger Herbstplärrer (August/September)
  • Volksfest Neusäß (September)
  • Michaelimarkt in Schwabmünchen (September)
  • Lechhauser Kirchweih (Oktober)
  • Kirchweih Gersthofen (Oktober)

Mythos Dirndl-Schleife: Das bedeutet der Code wirklich

Du ziehst zum ersten Mal im Dirndl los und fragst dich panisch, wo zur Hölle jetzt nochmal diese Schleife hinmuss? Keine Sorge – das Schleifen-Game ist gar nicht so kompliziert.

Faustregel: Schleife links bedeutet „Single, sprich mich ruhig an“, rechts heißt „vergeben, Finger weg“. Vorne mittig stand früher für „Jungfrau“ und wird heute oft als „unentschlossen“ interpretiert. Hinten mittig heißt „Witwe“ oder „Bedienung“ –  also eher nicht dein Style.

Wenn du’s nicht so eng siehst, binde die Schleife einfach da, wo es dir gefällt. Hauptsache, du stehst selbstbewusst dazu – und weißt, was du aussendest.

 (Toni Kürzinger/MJ)

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