Feiertag

Friedensfest Augsburg: Darum hat Augsburg am 8. August frei

Junge Frau Betritt Friedenshaus auf dem Rathausplatz in Augsburg.
Teil des Friedensfest 2025: Das begehbare Friedenshaus auf dem Rathausplatz wurde von Augsburger:innen aus vielen kleinen Pappbausteinen zusammengesetzt. (Foto: © Michael Nguyen)
Schon mal vom Hohen Friedensfest gehört? Und warum gibt es diesen Feiertag nur in Augsburg? Alle Antworten findest du hier.
Donnerstag, 10.07.2025, 13:38 Uhr

Hast du schon gewusst, dass Augsburg die Stadt mit den meisten Feiertagen in ganz Deutschland ist? Nicht schlecht, oder? Am 8. August wird in unserer Stadt jedes Jahr das Hohe Friedensfest gefeiert. Aber was ist das eigentlich, und haben die Uni und alle Geschäfte da wirklich geschlossen? Wir erklären dir, was es mit Augsburgs Bonus-Feiertag auf sich hat.

Inhalte im Überblick

Was ist das Augsburger Friedensfest?

Das Hohe Friedensfest ist ein Feiertag am 8. August, den es nur in Augsburg gibt. Das Augsburger Friedensfest hat eine richtig lange Tradition – schon im Jahr 1650 fand es zum ersten Mal statt. Damals feierten Protestant:innen, dass sie endlich die gleichen Rechte wie Katholik:innen bekommen hatten. Offizieller Feiertag ist das Augsburger Hohe Friedensfest seit 1950.

Auch heute wird das Friedensfest in Augsburg noch ordentlich gefeiert. Jedes Jahr gibt es drumherum ein richtig cooles Kulturprogramm mit vielen Aktionen in der ganzen Stadt. Organisiert wird das Ganze vom Friedensbüro der Stadt Ausgburg.

Warum hat Augsburg 14 Feiertage?

Ja, du hast richtig gelesen: Dank des Hohen Friedensfests haben wir in Augsburg einfach mal 14 Feiertage. Heißt für uns: Wir chillen nicht nur im Bundesland mit den meisten Feiertagen überhaupt (Bayern!), sondern wohnen auch noch in Augsburg - der einzigen Stadt in ganz Deutschland mit einem gesetzlichen Extra-Feiertag obendrauf. Mega nice.

Wer hat am Augsburger Friedensfest frei?

Ganz easy: Alle, die in Augsburg arbeiten, haben am 8. August frei. Denn das Friedensfest ist ein gesetzlicher Feiertag – aber nur im Stadtgebiet Augsburg. Nicht in München, nicht in Bamberg, nicht mal im direkten Umland. Nur bei uns hier zählt der Feiertag. Der Rest von Bayern muss ganz normal zur Arbeit. Was ist mit Student:innen an Uni und Hochschule? Glück gehabt! Beide liegen im Stadtgebiet – also: keine Vorlesung, kein Stress, einfach ausschlafen und chillen.

Wichtig: Wer außerhalb vom Stadtgebiet Augsburg arbeitet (z. B. in Gersthofen, Friedberg oder Königsbrunn), hat leider keinen Feiertag, auch wenn er in Augsburg wohnt. Entscheidend ist nämlich der Sitz des Arbeitgebers, nicht dein Wohnort.

Das Augsburger Friedensfest 2025: Programm

Dieses Jahr feiert das Friedensfest sein 375-jähriges Jubiläum. Das Kulturprogramm rund ums Friedensfest läuft dieses Jahr schon lange vor dem eigentlichen Feiertag: Vom 8. Mai bis zum 8. August finden verschiedene Veranstaltungen unter dem Motto „Frieden riskieren“ statt. An rund 40 Orten in und um Augsburg gibt es tolle Kultur-Events zu erleben. Übrigens: der 8. Mai wurde bewusst als Startdatum gewählt, weil da der Zweite Weltkrieg endete – also ein starkes Symbol für Frieden.

Diese Programmpunkte finden im Rahmen des Hohen Friedensfests 2025 statt:

  • Ausstellungen zu Kunst, Kultur und Geschichte
  • Vorträge
  • Gottesdienste
  • Moderierte Talks
  • Vortragsreihe der Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Augsburg
  • Filmvorführungen
  • Kinder-Malwettbewerb für das beste Friedensbild
  • Orgelkonzerte
  • Jazzmusik
  • Chorauftritt
  • Verschiedene kleine Friedenstafeln
  • Theateraufführungen
  • etc.

Detaillierte Programminfos findest du direkt auf der Webseite des Augsburger Friedensfests.

Was ist beim Friedensfest am 8. August 2025 in Augsburg geboten?

Am eigentlichen Feiertag, dem 8. August, wird das Friedensfest mit Festgottesdiensten in St. Anna und St. Ulrich und Afra gefeiert. Um 11 Uhr startet am Rathausplatz die große Friedenstafel: Dort werden selbst mitgebrachte Speisen miteinander geteilt – sogar die Oberbürgermeisterin Eva Weber ist dabei. Die Preisträger:innen des Friedenspreises 2025 werden bekanntgeben – 12.500 Euro gibts für Menschen, die sich für Frieden zwischen Religionen und Kulturen einsetzen. Weitere kleine Friedenstafeln und Mitbring-Picknicks gibts im Herrenbach, Hochzoll und Göggingen.

Schon gewusst? Seit 2018 ist das Augsburger Hohe Friedensfest von der UNESCO anerkanntes „Immaterielles Kulturerbe“. Das ist eine besondere Auszeichnung dafür, dass das Friedensfest weltweit eine einzigartige und wertvolle Kulturtradition darstellt.

Im Botanischen Garten steigt das Kinderfriedensfest und St. Anna gibt’s einen besonderen Stadtrundgang, bei dem symbolträchtige Friedensorte in Augsburg besucht werden. Für musikalische Untermalung sorgt der Song-Slam für die Augsburger Friedenshymne.

Unser Tipp für History-Fans: Die Stadtführung „Vom evangelischen zum multireligiösen Feiertag in Augsburg“. Hier erfährst du, wie sich das Friedensfest im Lauf der Zeit entwickelt hat und mit welchen historischen Orten in Augsburg es in Verbindung steht. Zum krönenden Abschluss gibts im Annahof ein großes Festkonzert. 

Storytime: Geschichte des Augsburger Friedensfests

Du willst genauer wissen, was damals abging? Und wieso ausgerechnet in Augsburg? Wir erklären dir die historischen Hintergründe des Hohen Friedensfests. 

Zur Zeit der Reformation war Augsburg ein echter Brennpunkt für den Machtkampf zwischen dem etablierten katholischen Glauben und dem neu aufkommenden Protestantismus. 

Luther in Augsburg: Der Reformator stellt sich stur

1518 kommt Martin Luther persönlich nach Augsburg. Im Fuggerpalast soll er seine berühmten 95 Thesen widerrufen. Er weigert sich – und muss nachts heimlich fliehen, weil seine Verhaftung droht. Trotzdem: Seine Ideen gehen viral und Augsburg wird zu einem Hotspot der Reformation – auch dank der vielen Druckereien, die Luthers Schriften unter die Leute bringen. Der Beef um den christlichen Gauben geht in die nächste Runde.

Die Confessio Augustana: Versöhnungsversuch geht schief

1530 versucht man’s mit einem Kompromiss: In der Confessio Augustana werden die Grundsätze der evangelischen Lehre zusammengefasst. Dabei wird extra darauf geachtet, dass keine zu krassen Unterschiede zum Katholizismus drin stehen. Das Ziel: Der katholische Kaiser Karl V. soll den neuen Glauben akzeptieren und Protestant:innen die gleichen Rechte geben wie Katholik:innen. Klappt aber nicht. Der Kaiser lehnt ab – die Fronten verhärten sich weiter. 

Augsburger Religionsfrieden: Historischer Meilenstein

1555 dann der große Durchbruch – im Saal des Rathauses wird der Augsburger Religionsfrieden verkündet. Augsburg schreibt Weltgeschichte! Der evangelische Glaube wird offiziell anerkannt und beide Konfessionen bekommen die gleichen Rechte – zumindest theoretisch. Heißt konkret: Die Landherren dürfen jetzt selbst bestimmen, welcher Glaube in ihrem Gebiet gilt. Als Normalo hat man die Wahl: Den Glauben des Herrschers annehmen oder gehen. Klingt gar nicht mal soo friedlich – war damals aber ein echter Fortschritt.

Übrigens: Das Rechtsprinzip des Augsburger Religionsfriedens wird mit dem Ausspruch "cuius regio, eius religio„ zusammengefasst. Das ist Latein und heißt “wessen Gebiet, dessen Religion."

Dreißigjähriger Krieg: Glaubensstreit eskaliert

Obwohl der Augsburger Religionsfrieden für eine Weile ein bisschen Ruhe reinbringt, versöhnen sich Katholik:innen und Protestant:innen nicht so richtig miteinander. Es gibt ein unübersichtliches Ping-Pong aus blutigen Reformationen und Gegenreformationen. Die Streitigkeiten kochen immer wieder hoch und 1618 eskaliert der Konflikt komplett: Der Dreißigjährige Krieg beginnt – eine riesige Katastrophe, die überall hin Gewalt, Elend, Hunger und Chaos bringt.

1650: Endlich Frieden – das erste Friedensfest wird gefeiert!

Nach ganzen 30 Jahren Krieg bringt 1648 der Westfälische Frieden wieder Ordnung in die Sache. Erst jetzt wird der beschlossene Religionsfrieden auch wirklich umgesetzt. Das ist für Augsburgs Protestant:innen ein Grund zur Freude: Am 8. August 1650 feiern sie, dass sie ihre Kirchen, ihre Rechte und ihren Gauben zurückbekommen. Die Unterdrückung durch die katholische Kirche endet. Mit Pauken, Trompeten und Salutschüssen ziehen sie jubelnd durch die Stadt. Das Augsburger Hohe Friedensfest ist geboren – bis heute eine einzigartige Tradition.

Wieso ist das Friedensfest am 8. August?

Dass genau dieses Datum gewählt wurde, ist kein Zufall: Genau an diesem Tag wurde im Jahr 1629 das sogenannte Restitutionsedikt durchgesetzt – ein echter Tiefschlag für Augsburgs Protestant:innen: Alle evangelischen Kirchen werden dicht gemacht, die Prediger aus der Stadt verjagt und alle Jobs im Kirchenamt gestrichen. Um daran mahnend zu erinnern, wurde 21 Jahre später genau an diesem Tag das erste Friedensfest gefeiert – als Zeichen der Dankbarkeit.

FAQ zum Hohen Friedensfest

TLDR: So genau wolltest du es eigentlich gar nicht wissen...Du hast nur ein paar kurze Fragen zum Friedensfest? Und keine Lust, gleich einen ganzen Roman zu lesen? Okay! Hier findest du alle Antworten schnell und übersichtlich:

Warum ist der 8. August in Augsburg ein Feiertag?

Der 8. August im Stadtgebiet Augsburg ein Feiertag, weil da jedes Jahr das Augsburger Hohe Friedensfest gefeiert wird.

Warum hat Augsburg die meisten Feiertage?

Augsburg liegt in Bayern, dem Bundesland mit den meisten Feiertagen. Weil wir mit dem Friedensfest noch einen zusätzlichen Feiertag haben, ist Augsburg mit 14 Feiertagen die Stadt mit den meisten Feiertagen in ganz Deutschland.

Ist der 8. August ein Feiertag in Bayern?

Nein, der 8. August ist kein bayernweiter Feiertag. Er gilt nur im Stadtgebiet Augsburg.

Ist das Augsburger Friedensfest ein gesetzlicher Feiertag?

Ja, seit 1950 ist das Friedensfest im Stadtgebiet Augsburg ein gesetzlicher Feiertag.

Haben die Läden in Augsburg am 8. August geschlossen?

Ja, wie an allen gesetzlichen Feiertagen sind Geschäfte, Behörden und viele Betriebe in Augsburg am 8. August zu. Wer dringend was braucht, kann aber ins nähere Umland ausweichen. Schon in Friedberg gilt die Feiertagsregelung nicht mehr.

Warum feiert Augsburg das Friedensfest?

Das Hohe Friendesfest wird in Ausgburg seit 1650 gefeiert. Ursprünglich feierten die Prostestant:innen nach einem langem Glaubenskrieg die rechtliche Gleichstellung mit den Katholik:innen. Seither wird das Friedensfest jedes Jahr begangen. Über die Jahrhunderte hat sich das Friedensfest von einem evangelischen Feiertag zu einem Festtag entwickelt, der den Frieden zwischen allen Religionen und Kulturen feiert.

Welche Traditionen gibt es beim Augsburger Hohen Friedensfest?

Das Friedensfest ist mit zahlreichen Traditionen verbunden. Dazu zählen: 

  • Friedenstafel: Am Rathausplatz und in mehreren Stadtteilen werden große Tafeln aufgebaut, an dem Bürger:innen mitgebrachte Speisen teilen.
  • Festgottesdienste: Jedes Jahr gibt es feierliche Kirchenzeremonien.
  • Kinderfriedensfest: Von Beginn an wurden die Kleinen miteinbezogen: 1650 trugen die Kinder zur Feier des Tages weiße Kleider und Blumenkränze, heute gibt es ein großes Familienfest im Botanischen Garten und Zoo Augsburg.
  • Friedenspreis: Alle drei Jahre wird der mit 12.500 Euro dotierte Friedenspreis verliehen. Geehrt werden Leute, die sich besonders für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Reliogionen engagieren.

Wo findet das Friedensfest in Augsburg statt?

Der Feiertag am 8. August gilt überall im Stadtgebiet Augsburg. Gefeiert wird an verschiedenen Orten: Am Rathausplatz, in den Kirchen St. Anna und St. Ulrich, im Annahof, im Botanischen Garten und Zoo sowie in den Stadtteilen Herrenbach, Hochzoll und Göggingen.

Warum ist Augsburg Friedensstadt?

Augsburg nennt sich Friedensstadt, weil hier jedes Jahr am 8. August das Hohe Friedensfest gefeiert wird. Außerdem wurde der Augsburger Religionsfrieden 1555 hier beschlossen – ein Gesetz von historischer Bedeutung.

Fazit: Feiertag mit Geschichte und Haltung

Das Augsburger Friedensfest ist mehr als nur ein freier Tag zum Ausschlafen: Es steht für Frieden, Toleranz und den offenen Dialog zwischen Kulturen und Religionen. Ursprünglichwar es ein protestantischer Feiertag – heute ist daraus ein starkes Zeichen für Vielfalt geworden. Schöne Sache: Ein Feiertag mit Haltung und Geschichte. Und den freien Bonus-Tag mitten im Sommer nehmen wir natürlich gerne mit.

Frieden studieren? Du interessierst dich tiefergreifend dafür, wie Konflikte in der Gesellschaft entstehen und wie sie gelöst werden können? An der Uni Augsburg gibt es einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, der Studiengänge mit diesem Schwerpunkt anbietet.

(Stadt Ausgburg/Friedensfest/MJ)

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