Studieren ohne NC? Deine Chancen fürs Wintersemester 2026/27 stehen gut
Laut einer aktuellen Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung sind nur noch 31,6 Prozent aller Studienangebote in Deutschland zugangsbeschränkt. Im Bachelorbereich ist der Anteil sogar noch niedriger: Dort haben nur 28,7 Prozent der Studiengänge eine Zugangsbeschränkung.
Heißt: Mehr als 70 Prozent aller Bachelor-Studiengänge sind ohne Zugangsbeschränkung offen. Deine Abiturnote entscheidet also längst nicht mehr überall darüber, ob du mit deinem Wunschstudium starten kannst.
Ganz ohne Organisation läuft es trotzdem nicht. Fristen, Unterlagen und mögliche Sonderregeln solltest du weiterhin ernst nehmen. Aber die Ausgangslage ist deutlich entspannter, als viele denken.
Was die neuen Zahlen für deinen Studienstart bedeuten
Die wichtigste Nachricht zuerst: Der Numerus Clausus, kurz NC, verliert für Studieninteressierte weiter an Bedeutung.
Bundesweit sind im kommenden Wintersemester 31,6 Prozent aller Studienangebote zugangsbeschränkt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 0,9 Prozentpunkte.
Noch besser sieht es bei Bachelor-Studiengängen aus. Hier liegt die Quote der zugangsbeschränkten Angebote bei 28,7 Prozent. Vor zehn Jahren war das noch deutlich anders: Damals war mit 47,6 Prozent fast jeder zweite Bachelor-Studiengang zugangsbeschränkt.
Für dich heißt das: Wenn du ein Bachelorstudium beginnen möchtest, hast du in vielen Fällen gute Chancen auf einen Studienplatz — auch ohne perfekten Abi-Schnitt.
NC ist nicht gleich Zugangsbeschränkung
Wichtig ist die genaue Einordnung: Wenn über „Studieren ohne NC“ gesprochen wird, geht es oft allgemein um Studiengänge ohne Zugangsbeschränkung.
Das ist aber nicht ganz dasselbe.
Als zugangsbeschränkt gelten laut CHE nicht nur Studiengänge mit örtlichem oder bundesweitem NC. Dazu zählen auch Angebote, bei denen es ein Auswahlverfahren oder eine Eignungsprüfung gibt.
Kurz gesagt: Der NC ist eine Form der Zugangsbeschränkung — aber nicht die einzige.
Wenn ein Studiengang zulassungsfrei ist, bedeutet das meistens: Es gibt keine begrenzte Zahl an Plätzen, die nach bestimmten Kriterien vergeben wird. Du musst aber trotzdem die formalen Voraussetzungen erfüllen und dich rechtzeitig einschreiben.
Zulassungsfrei heißt nicht automatisch sorgenfrei
Ein Studiengang ohne NC klingt erstmal nach: anmelden, fertig, Studierendenleben. Ganz so lässig ist es leider nicht immer.
Auch bei zulassungsfreien Studiengängen können bestimmte Dinge verlangt werden, zum Beispiel:
- eine Hochschulzugangsberechtigung wie Abitur oder Fachhochschulreife
- vollständige Bewerbungs- oder Einschreibungsunterlagen
- bestimmte Nachweise, etwa Sprachkenntnisse
- ein Vorpraktikum, wenn der Studiengang das vorsieht
- die Einhaltung der Einschreibefrist
Der große Vorteil bleibt aber: Wenn du die Voraussetzungen erfüllst, konkurrierst du in der Regel nicht über deine Abiturnote mit anderen Bewerbern um eine begrenzte Zahl an Plätzen.
In diesen Bundesländern ist der Zugang besonders streng
Auch wenn der Trend bundesweit in Richtung weniger Zugangsbeschränkungen geht: Der Studienort macht weiterhin einen Unterschied.
Besonders hoch ist der Anteil zugangsbeschränkter Studiengänge laut CHE in:
- Berlin: 53,5 Prozent
- Baden-Württemberg: 46,2 Prozent
- Saarland: 44,1 Prozent
- Bremen: 43,7 Prozent
In Berlin ist damit mehr als die Hälfte der Studienangebote zugangsbeschränkt. Wer dort studieren möchte, sollte also besonders genau prüfen, welche Regeln für den Wunschstudiengang gelten.
Auch in einzelnen Großstädten bleibt die Lage anspruchsvoller. In Leipzig und München ist weiterhin mehr als die Hälfte der Studiengänge mit einer Zulassungsbeschränkung oder einer Eignungsprüfung versehen.
Wo deine Chancen besonders gut stehen
Deutlich entspannter sieht es in anderen Bundesländern aus. Die besten Chancen auf einen Wunschstudienplatz gibt es laut CHE in Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz.
Dort ist nicht einmal jeder fünfte Studiengang zugangsbeschränkt.
Das heißt nicht automatisch, dass jeder Studiengang dort zulassungsfrei ist. Aber wenn du beim Studienort flexibel bist, kann sich ein Blick auf diese Bundesländer lohnen.
Gerade bei der Studienwahl gilt: Nicht nur die bekanntesten Uni-Städte prüfen. Manchmal passt ein Studiengang an einem weniger offensichtlichen Standort fachlich besser — und die Einstiegshürden sind niedriger.
Hamburg zeigt, wie stark sich die Lage verändern kann
Besonders auffällig ist die Entwicklung in Hamburg. Dort lag der Anteil zugangsbeschränkter Studienangebote im Wintersemester 2024/25 noch bei 62,4 Prozent. Zum Wintersemester 2026/27 sind es nur noch 37,6 Prozent.
Das ist ein deutlicher Rückgang innerhalb von zwei Jahren.
Laut CHE hängt das vor allem mit einem starken Rückgang an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften zusammen. Dort liegt die Quote zugangsbeschränkter Angebote in Hamburg nur noch bei 16,9 Prozent.
An den Hamburger Universitäten ist dagegen weiterhin etwa jedes zweite Studienangebot zugangsbeschränkt.
Welche Fächer häufiger Zugangsbeschränkungen haben
Nicht nur der Ort zählt. Auch die Fachrichtung macht einen Unterschied.
Am höchsten ist der Anteil zugangsbeschränkter Studienangebote laut CHE in den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften. Dort sind bundesweit 36,2 Prozent der Studiengänge zugangsbeschränkt.
Besser sieht es in den Ingenieurwissenschaften aus. Hier stehen mehr als drei Viertel der Angebote allen Erstsemestern unabhängig von der Abiturnote offen.
Auch in Mathematik, den Naturwissenschaften sowie den Sprach- und Kulturwissenschaften ist der Zugang laut CHE vergleichsweise gut.
Für dich bedeutet das: Wenn dein Wunschfach stark nachgefragt ist, solltest du verwandte Studiengänge mitprüfen. Nicht jeder passende Studiengang heißt exakt so, wie du ihn zuerst gesucht hast.
Uni oder FH? Beim Zugang kaum noch ein Unterschied
Früher war die Frage „Uni oder FH?“ beim Thema Zugangschancen wichtiger. Inzwischen liegen beide Hochschultypen fast gleichauf.
An Universitäten sind laut CHE 28,5 Prozent der Studienangebote zugangsbeschränkt. An Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind es 28,8 Prozent.
Der Unterschied ist also minimal.
Wichtiger als der Hochschultyp ist deshalb die Frage, was besser zu dir passt: Willst du stärker wissenschaftlich arbeiten? Dann kann eine Universität passend sein. Suchst du mehr Praxisbezug? Dann lohnt sich der Blick auf eine Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Selbst bei Medizin und Pharmazie gibt es Bewegung
Medizin und Pharmazie bleiben bundesweit zugangsbeschränkte Wunschfächer. Trotzdem zeigt die CHE-Analyse auch hier eine Entwicklung zugunsten der Studieninteressierten.
Zum Wintersemester kamen 3,1 Bewerbende auf einen Medizinstudienplatz an einer staatlichen Universität. In Pharmazie lag die Quote bei 2,8 Bewerbenden pro Studienplatz.
Das heißt nicht, dass diese Fächer plötzlich leicht zugänglich sind. Aber es zeigt: Auch in stark nachgefragten Studiengängen verändert sich das Verhältnis zwischen Bewerbungen und verfügbaren Plätzen.
Was du jetzt konkret tun solltest
Die Zahlen sind gut. Trotzdem solltest du deine Studienwahl nicht nach dem Motto „wird schon irgendwie“ angehen. Das ist bei Bewerbungsfristen ungefähr so empfehlenswert wie Gruppenarbeit mit Leuten, die „machen wir später“ sagen.
1. Prüfe deinen Wunschstudiengang einzeln
Bundesweite Durchschnittswerte helfen zur Orientierung. Entscheidend ist aber immer der konkrete Studiengang an der konkreten Hochschule.
Schau nach:
- Ist der Studiengang zulassungsfrei?
- Gibt es einen NC?
- Gibt es ein Auswahlverfahren?
- Gibt es eine Eignungsprüfung?
- Welche Fristen gelten?
2. Denk nicht nur in Traumstädten
Berlin, München, Hamburg oder Leipzig können attraktiv sein. Aber gerade dort sind Zugangsbeschränkungen teils weiterhin stark verbreitet. Wenn du beim Studienort offen bist, erhöhst du deine Chancen deutlich. Besonders Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz solltest du auf dem Zettel haben.
3. Such nach ähnlichen Studiengängen
Viele Studiengänge klingen unterschiedlich, haben aber ähnliche Inhalte. Gerade bei stark nachgefragten Fächern lohnt sich der zweite Blick. Statt nur nach einem bekannten Studiengang zu suchen, prüfe auch verwandte Angebote. Das kann deine Auswahl vergrößern — und manchmal findest du dabei sogar den besseren Match.
4. Trag dir Fristen sofort ein
Der beste zulassungsfreie Studiengang bringt dir nichts, wenn du die Einschreibung verpasst. Speichere dir deshalb alle wichtigen Termine direkt ab. Am besten mit Erinnerung. Dein zukünftiges Ich wird sich bedanken.
5. Plane mit Alternativen
Ein Wunschstudiengang ist gut. Ein Plan B ist besser. Und ein Plan C ist keine Panik, sondern erwachsene Organisation mit Koffein. Bewirb dich nicht nur an einer Hochschule, wenn es für dein Fach mehrere passende Optionen gibt. Je breiter du suchst, desto entspannter wird der Studienstart.
Fazit: Gute Chancen, aber bitte nicht planlos
Für das Wintersemester 2026/27 stehen die Chancen auf ein Studium ohne Zugangsbeschränkung besser denn je. Besonders im Bachelorbereich sind mehr als sieben von zehn Studiengängen offen.
Das ist eine starke Nachricht für alle, die studieren wollen, aber keinen perfekten Abi-Schnitt mitbringen.
Trotzdem gilt: Nicht blind bewerben, sondern klug vergleichen. Prüfe deinen Wunschstudiengang genau, achte auf Fristen und schau auch auf Standorte, die nicht sofort auf deiner Liste standen.
Dann wird aus „hoffentlich klappt’s“ ein ziemlich solider Studienplan.