Die Kunst des Wartens: Warum Geduld dein unterschätzter Studi-Lifehack ist
Du hast deine Hausarbeit abgegeben, die Prüfung hinter dich gebracht oder eine Bewerbung verschickt. Eigentlich könntest du dich jetzt zurücklehnen. Wäre da nicht diese eine Frage, die ständig in deinem Kopf herumspukt: Wann kommt endlich eine Antwort?
Warten gehört zum Studium. Auf Prüfungsergebnisse, BAföG-Bescheide, Jobzusagen oder Rückmeldungen von Dozenten. Und manchmal wartest du einfach darauf, dass du endlich weißt, wohin es nach dem Studium gehen soll.
Das Problem dabei ist selten die Wartezeit allein. Viel anstrengender ist die Unsicherheit, die damit verbunden ist. Dabei kannst du lernen, geduldiger zu werden und mit solchen Situationen gelassener umzugehen.
Warum fällt es uns so schwer, Geduld zu haben?
Unser Gehirn mag Gewissheit. Offene Fragen beschäftigen uns oft länger als solche, auf die wir bereits eine Antwort haben. Besonders dann, wenn das Ergebnis wichtig für uns ist.
Hast du die Klausur bestanden? Bekommst du den Nebenjob? War deine Bewerbung überzeugend genug? Solange du keine Antwort hast, versucht dein Kopf, die Lücken selbst zu füllen. Leider nicht immer mit besonders erfreulichen Geschichten.
Vielleicht kennst du das. Du aktualisierst zum fünften Mal das Prüfungsportal, obwohl du genau weißt, dass dort vor zehn Minuten noch nichts stand. Oder du kontrollierst deinen Posteingang so regelmäßig, dass du neue E-Mails theoretisch schneller entdecken müsstest als dein Smartphone.
Das gibt dir kurzfristig das Gefühl, etwas zu tun. An der Situation ändert es allerdings nichts. Geduld lernen bedeutet deshalb vor allem, Unsicherheit auszuhalten, ohne ständig nach Kontrolle suchen zu müssen.
Geduld lernen: Was du beeinflussen kannst und was nicht
Geduldig zu sein bedeutet nicht, untätig herumzusitzen und darauf zu hoffen, dass sich irgendwann alles von selbst regelt. Im Gegenteil. Wer Geduld üben möchte, sollte zunächst unterscheiden, welche Dinge sich tatsächlich beeinflussen lassen.
Du kannst dich gründlich auf eine Prüfung vorbereiten. Du kannst eine überzeugende Bewerbung schreiben und nach einer angemessenen Frist freundlich nachfragen. Was du nicht beeinflussen kannst, ist die Geschwindigkeit, mit der andere Menschen korrigieren oder Entscheidungen treffen.
Sobald du deinen Teil erledigt hast, darfst du die Verantwortung auch einmal abgeben.
Klingt einfach? Ist es natürlich nicht immer. Aber es nimmt dir den Druck, für jede ausstehende Antwort selbst eine Lösung finden zu müssen.
Ungeduld überwinden: Wenn dein Kopf schon beim Worst Case ist
Besonders unangenehm wird Warten, wenn das Gedankenkarussell Fahrt aufnimmt. Plötzlich wird aus einer ausstehenden Prüfungsnote die sichere Nachklausur und aus einer unbeantworteten Bewerbung die Erkenntnis, dass du vermutlich niemals einen vernünftigen Job finden wirst.
Dazu kommt der Vergleich mit anderen.
Irgendwer hat bereits einen Praktikumsplatz ergattert, schreibt an der Bachelorarbeit oder verkündet auf LinkedIn stolz den nächsten Karriereschritt. Und du? Versuchst noch herauszufinden, welche Richtung du überhaupt einschlagen möchtest.
Solche Vergleiche können Stress im Studium verstärken. Schließlich bekommst du vor allem mit, welche Erfolge andere feiern. Wie lange sie darauf hingearbeitet haben oder welche Absagen sie vorher kassiert haben, bleibt meistens unsichtbar.
Nur weil andere gerade schneller vorankommen, bedeutet das nicht, dass du zurückliegst. Ein Studium ist schließlich kein Wettrennen mit einheitlicher Ziellinie.
Gelassener werden: 5 Tipps für mehr Geduld im Studium
Geduld lässt sich trainieren. Nicht unbedingt von heute auf morgen, aber mit kleinen Veränderungen in deinem Alltag. Diese fünf Strategien können dir helfen, Wartezeiten entspannter zu meistern.
1. Setze dir feste Zeiten zum Nachschauen
Du wartest auf eine wichtige Nachricht? Dann musst du nicht alle fünf Minuten dein Smartphone kontrollieren. Lege lieber feste Zeiten fest, zu denen du deine E-Mails oder das Prüfungsportal checkst.
So bleibt dein Kopf zwischendurch frei für andere Dinge.
2. Überlege, ob du selbst etwas tun kannst
Frag dich, ob es gerade einen sinnvollen nächsten Schritt gibt. Wartest du auf eine Jobzusage, kannst du dich parallel auf weitere Stellen bewerben. Ist eine Rückmeldung längst überfällig, darfst du freundlich nachfragen.
Wenn du dagegen alles Notwendige erledigt hast, bringt zusätzliches Grübeln dich nicht weiter.
3. Plane bewusst etwas anderes
Wer ständig auf eine Antwort wartet, vergisst manchmal, dass neben dieser einen offenen Frage noch ein ganzes Leben stattfindet.
Triff dich mit Freunden, geh zum Hochschulsport oder beschäftige dich mit etwas, das dir Spaß macht. Du musst deine Gedanken nicht mit Gewalt abschalten. Es hilft aber, ihnen nicht den ganzen Tag die Hauptrolle zu überlassen.
4. Hinterfrage deine Gedanken
Du bist überzeugt, dass deine Prüfung schlecht gelaufen ist? Frag dich, worauf du diese Vermutung eigentlich stützt. Solange das Ergebnis nicht vorliegt, ist ein schlechtes Gefühl noch kein Beweis für eine schlechte Note.
Versuche, zwischen Fakten und Befürchtungen zu unterscheiden. Damit lässt sich das Kopfkino zumindest etwas ausbremsen.
5. Erlaube dir, auch mal nichts zu tun
Nicht jede freie Minute muss produktiv genutzt werden. Du brauchst keinen Podcast zur Selbstoptimierung, nur weil dein Bus zehn Minuten Verspätung hat.
Manchmal reicht es völlig, Musik zu hören, aus dem Fenster zu schauen oder die Gedanken schweifen zu lassen. Auch Pausen gehören zu einem gesunden Studienalltag.
Geduld üben, ohne ständig an dir arbeiten zu müssen
Vielleicht klingt das alles nach einer weiteren Aufgabe auf deiner ohnehin schon ziemlich langen To-do-Liste. Schließlich sollst du neben Studium, Nebenjob und Privatleben jetzt auch noch besonders geduldig werden. Aber darum geht es nicht.
Geduld ist keine zusätzliche Leistung, die du erbringen musst. Es geht vielmehr darum, dir selbst etwas Druck zu nehmen.
Gerade während des Studiums gibt es viele Dinge, deren Entwicklung du nicht vollständig planen kannst. Freundschaften verändern sich, berufliche Interessen entstehen manchmal erst durch praktische Erfahrungen und manche Entscheidungen brauchen einfach länger.
Du musst deshalb nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben.
Und falls du merkst, dass dich anhaltende innere Unruhe oder Prüfungsangst stark belasten, musst du damit nicht allein zurechtkommen. Die psychologischen Beratungsstellen vieler Hochschulen und Studierendenwerke bieten Unterstützung an.
Fazit: Geduld ist kein Stillstand
Geduld lernen heißt nicht, dass dich künftig nichts mehr nervt. Natürlich darfst du ungeduldig werden, wenn die Prüfungsergebnisse ewig auf sich warten lassen oder du seit Wochen keine Antwort auf deine Bewerbung bekommst.
Entscheidend ist, wie du damit umgehst. Du kannst aktiv werden, wo es sinnvoll ist, und akzeptieren, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen.
Eine wichtige Unterscheidung solltest du dabei allerdings nicht vergessen. Manchmal wartest du auf etwas, das du nicht beeinflussen kannst. Manchmal wartest du aber auch, weil du dich noch nicht traust, den nächsten Schritt zu machen.
Falls du beispielsweise schon länger darüber nachdenkst, neben dem Studium zu arbeiten, musst du nicht auf die perfekte Gelegenheit warten. Bei STUDENTpartout findest du flexible Studentenjobs, mit denen du Geld verdienen und neue Erfahrungen sammeln kannst.
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, einfach loszulegen. Auf die nächste Prüfungsnote musst du schließlich noch lange genug warten.