Bleiben oder gehen?

Unglücklich im Job, was tun?

Junger Mann mit Dutt, der mit den Händen über dem Gesicht vor seinem PC im Büro sitzt.
Du fühlst dich beim Arbeiten kein bisschen mehr motiviert und gut? (Foto: © stock.adobe.com/NDABCREATIVITY)
Ob 20h oder 40h pro Woche – wir verbringen fast täglich mehrere Stunden im Job. Aber was tun, wenn er uns überhaupt nicht (mehr) gefällt oder uns sogar unglücklich macht? 
Mittwoch, 10.01.2024, 13:15 Uhr, Autor: Sandra Lippet

Unser Beruf definiert uns weit mehr als wir vielleicht denken. Lernen wir neue Leute kennen, ist eine der ersten Fragen: Was machst du? – und damit sind nur selten Hobbys gemeint. Unser Job gehört sozusagen ein Stück weit zu unserer Identität, auch, weil wir so viel Zeit in der Arbeit verbringen. 

Durchschnittlich 40,5h pro Woche arbeiten Vollzeitangestellte, bei Teilzeitarbeitnehmenden liegt der Wochendurchschnitt bei 21,5h. Das sind 4 bis 8 Stunden täglich. Macht uns unser Job nicht im geringsten Spaß, stresst er uns oder macht uns sogar zutiefst unglücklich, kriegen wir schnell ein Problem – immerhin spielt sich 5 Tage lang mindestens ein Drittel unserer Lebenszeit dort ab.

Neben der Frage, was man dagegen tun kann, sollte man sich auch fragen, wieso man überhaupt so unglücklich ist und in der Konsequenz, ob man daran etwas ändern kann.

Warum bin ich so unglücklich im Job?

Unzufriedenheit im Job kann mehrere Gründe haben, die häufigsten sind:

  • Dauer-Stress und oder -Überbelastung: Wer einfach zu viel Workload in zu wenig Zeit erledigen soll, oder zur eigenen Arbeit gar nicht kommt, weil dauernd jemand vertreten werden muss oder nicht genug Kolleg:innen vorhanden sind, brennt sehr schnell aus. Natürlich macht das unglücklich – und kann über die Zeit sogar gesundheitliche Folgen haben: bspw. ein Burnout oder Depressionen.
  • Zu viele Überstunden – keine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben: Immer und überall erreichbar sein zu müssen, stellt bei manchen Berufen eine echte Herausforderung dar. Denn, wenn man keine klare Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit hat, kann man auch nur schwer oder gar nicht abschalten.
  • Mangelhafte Work-Life-Balance: Urlaub kann nicht genommen werden, weil es keine Vertretung gibt? Bis mindestens 18:00 Uhr muss die Firma besetzt sein? Wer das Gefühl hat, sein Privatleben aufgrund eines Jobs zu stark einschränken zu müssen, ist darin auch selten glücklich. 
  • (Kommunikations-)Probleme mit Kolleg:innen oder Vorgesetzten: Schlechte Beziehungen zu Chef:innen oder Kolleg:innen machen einfach keine gute Laune. Soziale Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist sehr wichtig für den Wohlfühlfaktor.
  • Fehlende Wertschätzung und keine beruflichen Chancen: Kreative Ideen, Mehrarbeit, ein ruhiger Kopf in stressigen Phasen – aber niemand nimmt das wahr? Die vor Monaten versprochene Beförderung lässt noch immer auf sich warten? Weiterbildungen werden als zu teuer betitelt? Auf Dauer macht auch das unglücklich.
  • Zu geringe Bezahlung: Vor allem beim Vollzeitgehältern deprimierend: wenn man von seinem Lohn nur knapp die Lebenshaltungskosten decken kann und für Privatvergnügen und Erholung einfach nichts mehr übrig bleibt. 

Was tun, wenn man im Job unglücklich ist?

Du bist unglücklich in deinem Beruf und möchtest etwas ändern – aber was kannst du aktiv tun, um deine Situation bei der Arbeit zu verbessern? Wir haben ein paar Tipps für dich.

Einfach so weitermachen?

Die erste Frage, die du dir stellen solltest: ist meine berufliche Situation wirklich so schlimm oder kann ich damit leben? Das heißt nicht, dass du dich zu etwas zwingen sollst, was dir überhaupt nicht taugt. Du solltest dir nur bewusst machen, ob dein Unglücklichsein im Job nur phasenweise, bspw. an schlechten Tagen, vorhanden ist oder zum Dauerzustand wird, den du nicht mehr hinnehmen möchtest.

Befindest du dich in der Eingewöhnungsphase oder bist du schon länger im Job? Auch die Länge deines Arbeitsverhältnisses spielt eine Rolle. Wenn du erst frisch mit einem Beruf angefangen hast, dich z.B. erst in der Probezeit befindest, wäre es gut, wenn du erstmal versuchst dich komplett in den Arbeitsbereich einzuarbeiten und dich daran zu gewöhnen.

Tipp! In der Anfangsphase sind viele Leute von neuen Berufen überfordert. Es lohnt sich aber fast immer, dir ein bisschen Zeit zu nehmen und abzuwarten, ob der Job wirklich so anstrengend, schlimm etc. ist und dich längerfristig unglücklich macht, bevor du etwas daran änderst oder etwas Neues suchst.

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Bist du schon länger in deinem Beruf tätig und bist unglücklich, kann es daran liegen, dass der Job an sich oder das Arbeitsumfeld vielleicht wirklich nichts für dich ist. Wenn du deine Stelle aber behalten möchtest, solltest du dir überlegen, was genau du daran ändern wollen würdest und wer genau deine Ansprechpartner:innen sind. Denn manchmal ist Reden Gold wert.

Manchmal ist Reden Gold 

Du bist unzufrieden in deinem Job – aber hast du schon mal versucht mit jemandem offen und ehrlich darüber zu reden? Bei Problemen mit Kolleg:innen oder deiner Führungsperson oder bei grundlegenden Dingen, wie fehlende Work-Life-Balance und zu geringer Wertschätzung, solltest du das Gespräch suchen.

Wichtig ist, dass du dich vorbereitest, bevor du im Job ein ernsteres Gespräch führst und zwar egal, ob mit Arbeitskolleg:innen oder deiner Führungsperson. Du solltest dabei auf folgendes achten:

  • Überleg dir genau, was dich in deinem Job unglücklich macht und versuche es so detailliert wie möglich für dich zu beschreiben. Manchmal hilft es, wenn du es dir selbst aufschreibst, bspw. als Liste.
  • Vereinbare einen Termin und gib deinem Gegenüber dabei auch schon kurz über das Thema Bescheid. So können sich deine Gesprächspartner:innen auch darauf vorbereiten und werden mit dem Thema dann nicht erschlagen.
  • Versuche im Gespräch objektiv aber ehrlich zu sein: Formuliere deine Probleme, ohne dein Gegenüber anzugreifen – am besten sprichst du schon Verbesserungsvorschläge oder Möglichkeiten an, die dir deinen Job erleichtern oder dazu führen könnten, dass er dir wieder mehr Spaß macht.
  • Lass auch dein Gegenüber zu Wort kommen, hör genau zu und bleibe auf jeden Fall respektvoll – das ist immer, aber vor allem im Arbeitskontext und im Umgang mit deine:r Chef:in, sehr sehr wichtig.
  • Setze, falls notwendig, Fristen – also ein Datum bis wann du etwas umgesetzt haben möchtest:bei einer Lohnerhöhung bspw. ab wann sie gelten soll. 
  • Frag nach, ob du getroffene Vereinbarungen auch schriftlich haben kannst – so kannst du Neuerungen nicht nur für dich selbst dokumentieren, sondern hast auch für später einen ‚Beweis‘.
  • Geh nach dem Gespräch nochmal in dich und reflektiere wie es gelaufen ist.
  • Beobachte, ob die getroffenen Vereinbarungen auch wirklich eingehalten werden.

Auch bei Problemen mit Kolleg:innen, mit denen eine Lösung nicht mehr funktioniert, kannst du das Gespräch mit deiner Führungsperson suchen. Bei Problemen mit deine:r Chef:in, nach misslungener Kommunikation, kannst du dir Hilfe durch Dritte, bspw. einen Betriebsrat suchen, um zu einer Einigung zu kommen.

Ob ein Gespräch noch etwas bringt, um deine persönliche berufliche Situation zu verbessern oder nicht, musst du selbst abwägen. Meiner Meinung nach ist es eigentlich nie verkehrt einen Kommunikationsversuch zu starten – und, wenn dich dein Job sowieso schon unglücklich macht, was kannst du verlieren, wenn dus nochmal probierst?

Alternativen öffnen

Ganz gleich, ob du deine beruflichen Schwierigkeiten verbessern möchtest oder nicht – es ist nie schlecht, wenn du dir weitere Optionen überlegst. Das muss nicht mal immer heißen, dass du die Firma oder das Unternehmen verlässt oder den Job wechselst.

Manchmal kann es auch eine Alternative sein selbst umzudenken, berufliche Aufgaben zu priorisieren oder Arbeitsbereiche abzugeben, zu wechseln. Wäre das eine Option für dich?

Wenn du deinen Job nicht mehr ausüben möchtest, kannst du dir überlegen, ob du innerhalb deines Unternehmens in einen anderen Bereich wechseln könntest oder welche Arbeitsfelder dich allgemein interessieren könnten.

Mein Tipp ist: mach aus Frust nicht einfach impulsiv irgendetwas, sondern überleg dir, welche Möglichkeiten dir offen stehen. Möchtest du deine Arbeit wirklich aufgeben und kündigen, dann mach das nicht, ohne schon einen neuen Job an Land gezogen zu haben.

Bleiben oder gehen – abwägen

Selbst, wenn du dir sicher bist, dass du dein Arbeitsverhältnis beenden willst, würde ich dir immer raten zwischen Bleiben und Kündigen abzuwägen. Du kannst das bspw. mit einer Pro-und-Kontra-Liste machen. Schreib dir auf, was dich stört, schreib dir aber auch auf, was der Beruf dir bietet. Und ja, auch sowas wie ‚regelmäßiges Gehalt‘ und ‚Sicherheit‘ können Pluspunkte sein.

Werte deine Liste aus und gehe nochmal in dich. Ist dein Job wirklich so schlimm und bist du dir sicher, dass ein Jobwechsel deine Probleme lösen und dich wirklich glücklicher im Beruf machen kann? Erst wenn du diese Frage ehrlich und definitiv mit ‚Ja‘ beantworten kannst, solltest du dich nach einem neuen Job umsehen.

Du willst dich beruflich neu orientieren? Vielleicht ist dann ein Übergangsjob etwas für dich!

Bist du dir unsicher, ob eine neue Jobperspektive deine Arbeitssituation verbessert, kannst du nochmal versuchen Gespräche zu führen und/oder dir Alternativen zu überlegen.

Extra: Generationen und berufliches Glück

Spielt die Generation beim Job-Glück eine Rolle? Jaein. Natürlich hängt die Zufriedenheit im Job auch damit zusammen, ob Erwartungen, Wünsche und Wertevorstellungen der Arbeitnehmenden erfüllt werden. Zwischen der Generation Y (geboren zw. 1980 und 1993) und Gen Z (geboren zw. 1994 und 2010) gibt es dabei auch einige Unterschiede, die Gemeinsamkeiten aber sind viel größer als viele denken.

Beiden gemeinsam ist jedenfalls ein großer Wunsch nach Selbstverwirklichung, jobtechnisch und in der Freizeit. Die prozentual wichtigsten Kriterien fürs Job-Glück kannst du dir in der Umfrage „The Deloitte Global 2022 Gen Z and Millennial Survey“ ansehen:

Statistik Gen Z und Millennial - wichtige Faktoren bei der Jobwahl
Erhebung zu den wichtigsten Berufsfaktoren bei der Jobwahl. (©statista/The Deloitte Global 2022 Gen Z and Millennial Survey)

Vor allem in der Gen Z, in der du dich als Studierende:r ziemlich sicher befindest, wird viel Wert auf eine gute Work-Life-Balance und viele Entwicklungsmöglichkeiten und Freiraum für außerberufliches Engagement gelegt. Viele handeln beim Jobgespräch weniger Wochenarbeitsstunden, mit weniger Bezahlung für mehr Freizeit heraus, um sich auch privat verwirklichen zu können. 

Glücklich macht die meisten Arbeitnehmenden zwischen 20 bis 35 Jahren vor allem Selbstverwirklichung im Beruf, Kreativität, Flexibilität und eine intakte Work-Life-Balance.

(statistisches Bundesamt/PFH/Harvard/SALI)

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