Studium abbrechen – Ausbildung anfangen
Seminare, Vorlesungen, Referate, Klausuren, Hausarbeiten und zwischendrin vor- und nacharbeiten, lernen – bestenfalls noch mit einem Nebenjob, weil ansonsten eher schlecht zu finanzieren: Nicht für jede:n ist ein Studium was. Manchmal findet man das aber erst dadurch raus, dass man eins angefangen hat.
Aber keine Sorge, du musst dein Studium nicht auf Biegen und Brechen durchziehen, nur weil du damit angefangen hast; du kannst und darfst dich auch umorientieren, bspw. indem du eine Ausbildung startest. Denn, wenn du eher der haptische, praktische, kreative Typ bist, der/die gerne mal anpackt und dabei von Tag eins schon etwas verdient, dann könnte eine Lehre genau das Richtige für dich sein.
Wie du aus deinem Studium rauskommst, was du dabei beachten solltest und Co. ebenso, wie du eine Ausbildung findest und eine Zusammenfassung über die Vor- und Nachteile vom Studieren und in die Lehre gehen, haben wir für dich zusammengefasst.
Gegenüberstellung Studium – Ausbildung: Vor- und Nachteile
Falls du dir noch nicht ganz sicher bist, ob du dein Studium wirklich beenden und dafür eine Lehre anfangen sollst … wir geben dir hier nochmal einen kurzen Einblick in die Pros und Cons:
Studium abbrechen
Wenn du dein Studium wirklich abbrechen willst, ist das absolut nicht schwierig. Was du darüber wissen solltest und eine Kurzanleitung findest du im folgenden Abschnitt:
Kann man jederzeit das Studium abbrechen?
Ja – grundsätzlich kannst du dein Studium jederzeit abbrechen. Die Exmatrikulation musst du mit einem Formular beantragen, es ausfüllen, unterschreiben und beim zuständigen Amt (meistens Prüfungsamt, aber schau lieber bei deiner Uni nochmal nach) abgeben. Heißt für dich: ob Anfang, Mitte oder Ende des Semesters, du kannst dich jederzeit exmatrikulieren lassen.
Solltest du aber mit dem Gedanken spielen, vielleicht irgendwann später nochmal weiterzustudieren, wäre es gut, wenn du das Semester noch beendest und die Klausuren ablegst, v.a. wenn du in der Mitte oder gegen Ende davon dein Studium abbrechen willst. Denn ohne bestandene Prüfungsleistung kriegst du keine ECTS und damit war das ganze Semester dann umsonst.
Denk auch dran, dass du bei der Exmatrikulation deine Campus-Card und damit oft auch dein Semesterticket abgeben musst. Je nachdem, wie weit das Semester vorangeschritten ist und wie es die Regelungen an deiner Uni zulassen, kannst du dir aber Anteile des Semesterbeitrags und/oder des Ticketpreises zurückerstatten lassen. Schau dafür mal auf der Seite deines Prüfungsamtes vorbei.
Vorsicht BAföG!
Beziehst du BAföG und exmatrikulierst dich, musst du das dem BAföG-Amt melden, denn nach gültiger Exmatrikulation stehen dir auch keine Auszahlungen mehr zu. Und falls du jetzt denkst: egal, die sollen mal schön weiterzahlen – du wirst dann ziemlich bald einen unangenehmen Brief bekommen, der dich zu Rückzahlungen auffordert. Also besser gleich ordnungsgemäß Bescheid geben und gut ist. ;-)
Kann man sein Studium abbrechen und später fortsetzen?
Auch das geht. Exmatrikulierst du dich selbstständig, wird dir mit der Bestätigung deines Studienabbruchs auch das sog. Transcript of Records, deine Studienverlaufsbescheinigung, zugesendet. Damit könntest du dann zu jedem anderen Zeitpunkt an dieser oder einer anderen Uni das Fach oder ein ähnliches studieren und dir alle – oder immerhin bestimmte – Leistungen aus deinem vorherigen Studium anrechnen lassen.
Egal, ob du nur ein Semester oder mehrere abgeschlossen hast, es war nicht umsonst. Deine Punkte kannst du auch noch nutzen, wenn du später mal weiterstudieren möchtest. Für das neue Studium müsstest du dich dann aber wieder regulär bewerben.
Anleitung: Wie kann ich mein Studium abbrechen?
- Lade dir den Antrag auf Exmatrikulation runter (online über deine Uni)
- Füll ihn aus und gib ihn unterschrieben ab
- Kläre, ob dir Rückzahlungen zustehen (Semesterbeitrag/Semesterticket)
- Gib deine Campus-Card ab (achte darauf, dass du dein Guthaben aufgebraucht hast, oder lass es dir davor auszahlen)
- Melde deine Exmatrikulation ggf. beim BAföG-Amt und/oder deiner Werkstudierendenstelle
- Warte auf deine schriftliche Exmatrikulationsbescheinigung und hebe die Studienverlaufsbescheinigung gut auf (am besten sicherheitshalber einscannen und abspeichern)
- Deine Exmatrikulation ist jetzt abgeschlossen
Wege zur Ausbildung
Ob als Friseur:in, Polizist:in, Schreiner:in oder zum/zur Rettungssanitäter:in – es gibt unfassbar viele Ausbildungsberufe. Und in vielen davon werden derzeit händeringend Lehrlinge gesucht.
Allen gemeinsam ist, dass sie im Schnitt zwischen 2 und 3 Jahre lang dauern, außer private Ausbildungen, bspw. zum/zur Nageldesigner:in, die können viel kürzer ausfallen. Du bekommst von Tag eins an ein Lehrlingsgehalt, das mit steigendem Ausbildungsjahr ebenfalls ansteigt – in den meisten Lehren fällt es aber doch verhältnismäßig gering aus, dafür, dass du i. d. R. 40 Stunden bei deiner Stelle arbeiten oder Kurse besuchen musst.
Im Vergleich zu einem Studium wirst du so aber gleich in den Arbeitsalltag integriert und kannst praktische Berufserfahrung genau in der Beschäftigung sammeln, in der du auch die Ausbildung machst.
Die 10 beliebtesten Ausbildungsberufe 2026:
- Pflegefachmann/-frau
- Informatiker:in
- Bürokaufmann/-frau
- Kauffrau/-mann im Einzelhandel
- Kfz-Mechatroniker:in
- Verkäufer:in
- Lagerlogistiker:in
- Koch/Köchin
- Bankkaufmann/-frau
- Versicherungskauffrau/-mann
Wo findet man am besten Ausbildungsplätze?
Du kannst dich bei dem Unternehmen deiner Wahl und in deiner Nähe initiativ bewerben oder vorbeifahren und einfach direkt fragen, ob und wann Ausbildungsplätze frei werden.
Wann starten Ausbildungen?
Regulär starten die meisten Lehren zum 01. August oder 01. September.
Ansonsten bieten dir diverse Jobportale, wie die STUDENTpartout-Jobbörse, Job- und Ausbildungsmessen offene Stellenangebote. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Berufsinformationszentren (BiZ) oder die Bundesagentur für Arbeit sind gute erste Anlaufstellen.
Welche Ausbildung lohnt sich finanziell?
Das Gehalt hängt natürlich stark von der Branche ab, in der man eine Lehre macht. Im Durchschnitt kannst du grob mit einem Bruttoausbildungsgehalt rechnen, das zwischen 900 und 1400 Euro liegt.
Die Lehrbereiche mit dem höchsten Ausbildungsgehalt (Stand 2024) sind:
- Gesundheits- und Pflegewesen: durchschnittlich 1310 Euro
- Schifffahrt: durchschnittlich 1236 Euro
- Ingenieurwesen: durchschnittlich 1186 Euro
- Transport, Verkehr, Logistik: durchschnittlich 1113 Euro
- Naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe: durchschnittlich 1082 Euro
- Metall- und Elektronikbranche: durchschnittlich 1063 Euro
Den niedrigsten Lohn während der Ausbildung bekommt man übrigens in handwerklichen und künstlerischen Berufen.
Was ist die kürzeste Ausbildung?
Die kürzesten Ausbildungen sind die, die man privat machen kann, bspw. in den Bereichen Kosmetik und Wellness. Sie können oft schon in mehreren Wochen oder Monaten absolviert werden, sind aber nicht selten mit Zusatzkosten verbunden, die man selbst tragen muss.
Eine reguläre Ausbildung, z. B. im Handwerk, der IT oder als Bürokaufmann/-frau, dauert hingegen zwischen 2 und 3 Jahren. Während dieses Zeitraums finden abwechselnd Praxisabschnitte innerhalb des Unternehmens und Theorieabschnitte an der Berufsschule oder Ähnlichem statt.
Ausbildungsverkürzung mit Abitur?
Bei vielen Lehrberufen kannst du die reguläre Ausbildungszeit mit deinem Abitur um bis zu 12 Monate verkürzen. Klär das aber von Anfang an ab und lass es in deinem Vertrag festhalten.
Welche Branchen suchen dringend Auszubildende?
- Technik, v.a. Elektrotechnik und Maschinenbau: Bau- und Elektroinstallateur:innen, Elektromechaniker:innen, Informations-, Kommunikations-, Elektro-, Mechanik- und Servicetechniker:innen, Metallbauer:innen, Schweißer:innen
- Gesundheits- und Pflegewesen: Pflegekräfte v.a. in der Altenpflege, Hebammen
- IT- und Verwaltung: Verwaltungskräfte, Bankangestellte wie Bankkaufmann/-frau, Vertriebs- und Handelsvertreter:innen
- sonstige Bereiche: Lagerlogistiker:innen, Verkäufer:innen, Gastronomiepersonal wie bspw. Hotelfachmann/-frau, Berufe in der Lebensmittelherstellung
(cbs/ fakultaeten.hu-berlin/ uni-augsburg/ destatis/ azubister/ einstieg/ ausbildung/ ihk/ arbeitsagentur/ iqb/ SALI)