Auszeit

Sabbatical: ja oder nein?

Junge Frau barfuß am Meer.
Eine berufliche Auszeit nehmen, geht das überhaupt? (Foto: ©stock.adobe.com/briagin)
Die Arbeit eine Weile ruhen lassen und dich anderen Dingen widmen, die dir wichtig sind? Genau darum geht’s beim Sabbatical – erfahre hier mehr. 
Dienstag, 13.01.2026, 11:00 Uhr, Autor: Sandra Lippet

Abstand gewinnen, zu sich selbst finden, Hobbys oder neue berufliche Perspektiven angehen – für all das brauchst du Zeit. Im Arbeitsalltag ist all das oft nicht möglich, jedenfalls nicht so, dass du dich deinen Leidenschaften oder dem, was du brauchst, komplett widmen kannst. 

Es gibt da aber eine Option, wie du genau das während deines laufenden Arbeitsverhältnisses zu tun, ohne deine Anstellung zu verlieren: durch ein Sabbatical. Was es damit auf sich hat, haben wir für dich zusammengefasst:

Was versteht man unter einem Sabbatical?

Unter einem Sabbatical versteht man grob eine Arbeitszeit-Auszeit, in der man sich anderen Dingen widmen kann. Das können Reisen sein, die Erfüllung anderer Ziele, wie bspw. ein Buch zu schreiben oder eine Sprache zu lernen, sich um sich selbst zu kümmern und vieles mehr. Grundsätzlich sind die Gründe dafür, ein Sabbatical zu machen, so individuell, wie die Leute, die eins machen wollen.

Über die Länge der Auszeit bestimmt man auch selbst – das können von einem Monat, mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr oder länger eigentlich alles sein. Die gängigste Form des Sabbaticals ist das sog. Sabbatical Year; wie der Name schon sagt, macht man dabei ein ganzes Jahr Pause.

Wie läuft ein Sabbatical ab?

Was du während eines Sabbaticals genau tust, bleibt ganz dir, deinen Bedürfnissen, deinen Wünschen und deiner Fantasie überlassen. Du solltest die Zeit aber nutzen, um irgendetwas zu tun, denn mehrere Monate zu verschenken, indem du nur herumhängst, wäre eher schade. 

Ein Sabbatical beantragen oder besser gesagt besprechen solltest du eine ganze Weile im Voraus mit deine:r direkten Vorgesetzten. Gesetzlich hast du keinen Anspruch darauf, d.h. ob dir die Auszeit zugesagt und genehmigt wird, liegt im Ermessen deine:r Arbeitgeber:in. 

Sämtliche Abmachungen in Bezug auf dein Sabbatical solltest du schriftlich festhalten, also wie lange du weg bist, wie das mit deinem Lohn geregelt ist, wie es weitergeht, wenn du zurückkommst etc. Auch wichtig für den Ablauf ist es, dich um deine Versicherungen zu kümmern, denn wenn du jobtechnisch freigestellt bist, musst du deine Renten- und Sozialversicherungsbeiträge selbst übernehmen

Solltest du während deiner Auszeit auf Reisen gehen wollen, wäre es auch sinnvoll, im Voraus mal zu schauen, wo es hingehen soll, wie viel Budget du zur Verfügung hast, ob du für bestimmte Länder Einreisegenehmigungen oder so was Ähnliches einholen musst usw. – denn auch das kann eine Weile Vorlauf brauchen.

Welche Modelle/Arten gibt es?

Es gibt nicht die eine oder einzige Art und Weise, ein Sabbatical durchzuziehen, sondern verschiedene Optionen, die sich immer danach richten, was du wo und wie lange machen möchtest, mit deinen Arbeitgeber:innen absprichst und wie du das finanzieren willst.

Die zwei gängigsten Sabbaticalmodelle sind:

  • Vorarbeiten und dadurch Arbeitszeit/Gehalt ansammeln: Das heißt, du überlegst dir, zusammen mit deine:r Chef:in, wie viel und wie lange, du entweder Mehrarbeit leisten kannst, um Stunden aufzubauen, die du während des Sabbaticals abfeiern kannst, oder wie du dein Gehalt so angepasst bekommst, dass es auch für die Auszeit reicht. Oft einigt man sich auf eine Mischung aus beidem, bspw. arbeitet man weiterhin in Vollzeit, bekommt dafür aber bspw. 3 Monate nur noch 75 % oder 50 % des Gehalts ausgezahlt – die übrigen 25 % oder 50 % lässt man sich dann für die Zeit, in diesem Fall 3 Monate, des Sabbaticals auszahlen. 
  • Unbezahlt freistellen lassen/Urlaub nehmen: Hast du schon einen guten Puffer an Ersparnissen und für deine Vorgesetzten geht es klar, dass du ein paar Monate nicht aktiv arbeitest, kannst du dich für die Zeit deines Sabbaticals natürlich auch freistellen lassen. In diesem Fall solltest du aber unbedingt vorab schriftlich festhalten, wie es nach deiner Rückkehr mit deinem Job aussieht, also falls du ihn behalten willst.

Welche Ideen gibt es für ein Sabbatical?

  • Berufliche Neuorientierung/Weiterentwicklung: viele nehmen sich eine Arbeitszeit-Auszeit um sich umzuorientieren und nach neuen beruflichen Möglichkeiten umzusehen. Das kann durch Fort- oder Weiterbildungen sein, durch Probearbeiten, Praktika, ehrenamtliche Tätigkeiten oder einfach durch Insichgehen, Nachdenken und sich bewusstmachen, was man eigentlich so mit dem Rest seines Lebens, jobtechnisch und allgemein, anfangen will. 
  • Selbstfindung/Persönliche Entwicklung: wer sich lost fühlt oder gar nicht so wirklich weiß, wer er/sie ist, dem/der kann ein Sabbatical die nötige Zeit geben, das rauszufinden. Beispielsweise durch ein längeres Yoga-Retreat, eine Selbstfindungswanderung, wie den Jakobsweg, einfach Zeit für sich oder Ähnliches. 
  • Persönlichem Ziel oder Wunsch nachgehen: du wolltest immer schon mal die Alpen mit dem Fahrrad bezwingen, ein Buch schreiben oder in einem fernen Land die Sprache und Kultur kennenlernen – auch dafür bietet sich eine Auszeit an. 
  • (Welt-)Reisen: einfach raus und was von der Welt sehen, neue Leute kennenlernen und Erfahrungen machen, für die du sonst nie Zeit hättest.
  • Notbremse vor drohendem Burn-/Boreout: Leistungsdruck, Stress, Überarbeitung oder Unterforderung – die Arbeitswelt kann uns einiges abverlangen, was sich dann auch in der emotionalen und psychischen Gesundheit widerspiegelt. Für viele kann ein Sabbatical die letzte Chance sein, sich vor einem Burnout zu retten, wieder runterzukommen, sich selbst zu finden und darüber nachzudenken, wie sie ihr Leben wieder in, für sie angenehme, Bahnen lenken können.

Welche Gründe sprechen für ein Sabbatical?

Im Schnitt arbeiten wir alle knapp 40 Jahre unseres Lebens. Das ist eine verdammt lange Zeit – in der Schule und das Studium noch nicht mal eingerechnet sind. Das heißt: es ist immer etwas zu tun, außer natürlich im Urlaub, im Mutterschutz/der Elternzeit oder während einer Krankheit. Aber selbst dann bleibt uns oft zu wenig Zeit für uns.

Wenn wir annehmen, dass du ein Sabbatical machen wollen würdest und entweder finanziell dazu in der Lage bist und/oder das mit deiner Arbeit klar geht, spricht eigentlich kein Grund dagegen, sich in den vielen Jahren der Berufstätigkeit nicht mal eine Auszeit zu nehmen. 

FAQs: Sabbatical

Du hast noch offene Fragen? Wir haben die Antworten – vielleicht nicht auf alle, aber immerhin auf die, die am häufigsten über Sabbaticals gestellt werden

Wer hat Anspruch auf ein Sabbatical?

Traurig, aber wahr: niemand. Einen wirklichen Anspruch auf eine berufliche Auszeit hast du, außerhalb deines Urlaubs, nicht. Die Entscheidung darüber, ob ein Sabbatical in deinem jetzigen Job möglich und machbar ist, liegt bei deinen Vorgesetzten. Wenn du eins machen möchtest, musst du sie davon überzeugen, dass das eine gute Idee ist.

Bereite dich also auf das erste Gespräch sehr gut vor, mach deutlich, wieso du das brauchst/machen möchtest – und arbeite vor allem raus, was für positive Entwicklungen ein Sabbatical für deine berufliche Weiterentwicklung (in der Firma) haben könnte.

Wird man im Sabbatical bezahlt?

Wenn du das mit deine:r Arbeitgeber:in so ausgemacht und festgehalten hast, sparst du dir vor deinem Sabbatical entweder Stunden und/oder Gehalt an, das dir dann während deiner Auszeit ausgezahlt werden kann. Wie viel das ist und wie lange das anhält, hängt natürlich davon ab, was abgesprochen wurde.

Hast du dir für deine Zeit ohne Arbeit aber nur unbezahlten Urlaub genehmigen lassen, dann wirst du währenddessen nicht bezahlt. Du musst selbst schauen, wie du die Kosten, ohne Gehalt, gestemmt bekommst.

Welche Nachteile hat ein Sabbatical?

Während eines Sabbaticals bist du zwar, im besten Fall, immer noch angestellt, arbeitest aber nicht, heißt: in der Zeit geht dir natürlich etwas Berufserfahrung flöten. Auch lohntechnisch wirst du während der Auszeit vermutlich nicht dein komplettes Gehalt beziehen, heißt: finanziell ein wenig runterschrauben müssen.

Ansonsten ist der einzige wirkliche Nachteil, dass du in den allermeisten Fällen in der Zeit deines Sabbaticals deine Sozial- und Rentenabgaben selbst bezahlen musst. Denn, wenn du deine Auszeit gut begründen kannst (auch vor späteren Arbeitgeber:innen) und wirklich für dich was daraus machst, kann dir auch eigentlich niemand einen Strick daraus drehen.

Wie lange im Voraus muss ich ein Sabbatical beantragen?

So lange es geht, v.a., wenn du mit dem Gedanken spielst, vorzuarbeiten/deinen Lohn aufzuteilen, damit du auch während des Sabbaticals etwas davon hast. ‚Müssen‘ ist hier zwar das falsche Wort, aber du solltest so früh wie möglich jobtechnisch alles für deine Auszeit abklären – und das braucht Zeit. Grob gesagt wären 6 Monate Vorlaufzeit nicht schlecht.

Wie wirkt sich ein Sabbatical auf die Rente aus?

  • Wenn du deinen Rentenbeitrag weiterhin zahlst: während einer Job-Auszeit setzen auch die Sozial- und Rentenbeiträge aus, außer dein:e Arbeitgeber:in zahlt sie weiterhin für dich (unbedingt vorab absprechen!) oder du zahlst sie selbst. Zahlst du während der Zeit deines Sabbaticals weiterhin deine Abgaben, wirkt sich das absolut gar nicht auf deine zukünftige Rente aus.
  • Wenn du deinen Rentenbeitrag während des Sabbaticals nicht zahlst, kann es aber zu Lücken bei den Einzahlungen kommen, die dann zukünftig zu Abzügen bei deiner Rente führen können.

Und das Renteneintrittsalter?

Ändert sich wegen eines Sabbaticals i.d.R. nicht; heißt: das bleibt gleich, egal, ob du eine berufliche Auszeit nimmst oder nicht.

(ing/ portal.mytum/ wirtschaftslexikon.gabler/ arbeitsrechthaberei/ rightmart/ hrworks/ SALI)

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