Arbeiten in Startups
Startup Jobs sind gefühlt überall: LinkedIn, Jobportale, Karrieremessen, Insta-Stories von Leuten, die „irgendwas mit Tech“ machen. Flexible Arbeitszeiten, junges Team, flache Hierarchien: klingt erstmal ziemlich perfekt, oder?
Gleichzeitig hörst du aber auch andere Stories: Überstunden ohne Ende, Chaos statt Struktur, wenig Gehalt und permanente Unsicherheit, ob das Startup morgen noch existiert. Also, was stimmt jetzt? Ist ein Job im Startup der perfekte Berufseinstieg oder doch eher ein Risiko, das man sich gut überlegen sollte?
Die ehrliche Antwort: es kommt darauf an. Und zwar nicht nur auf dich, sondern auch auf das Startup, seine Phase und dein eigenes Mindset.
In diesem Artikel erfährst du:
- was Startup Jobs so besonders macht,
- welche Startup Phasen es gibt und was das für deinen Job bedeutet,
- die Unterschiede beim Arbeiten zwischen Startups und Konzernen,
- was die größten Vorteile / Chancen von Jobs im Startup sind und
- warum Arbeiten im Startup nicht für jede:n passt.
Was macht Startup Jobs eigentlich so besonders?
Ein Startup ist kein „normales“ junges Unternehmen im klassischen Sinn. Entscheidend sind drei Dinge:
- innovatives Geschäftsmodell
- hohes Wachstumspotenzial (auch Skalierung genannt)
- Unsicherheit und Experimentieren statt Routine
Für dich bedeutet das: dein Arbeitsalltag ist selten stabil. Aufgaben verändern sich, Prioritäten verschieben sich, Entscheidungen werden oft spontan getroffen. Was heute wichtig ist, kann morgen schon wieder irrelevant sein. Das kann unglaublich motivierend sein, aber auch – je nach Situation – extrem anstrengend.
Ein wichtiger Faktor dabei sind die sog. Startup Phasen. Denn je nachdem, in welcher Phase sich ein Startup befindet, kann sich dein Job komplett unterschiedlich anfühlen.
Startup Phasen: warum dein Job heute nicht dein Job von morgen ist
Damit du einen guten Überlick über die Phasen hast, die ein Startup normalerweise so durchläuft, haben wir dir diese in der folgenden Tabelle einmal zusammen gefasst:
In frühen Phasen wie der Pre-Seed/Seed geht es bei Startups vor allem ums Überleben. Die Idee wird getestet, Investor:innen werden gesucht, das Geschäftsmodell steht noch auf wackeligen Beinen. Arbeit in dieser Phase ist geprägt von Unsicherheit, Improvisation und sehr viel Eigenverantwortung. Feste Rollen gibt es kaum, du springst dort ein, wo halt gerade jemand gebraucht wird.
In der eigentlichen Startup-Phase kommt dann das Produkt auf den Markt. Jetzt wird verkauft, getestet und nachgebessert. Der Druck steigt, aber auch der Impact deiner Arbeit wird spürbarer. Viele Leute empfinden diese Phase als besonders intensiv, weil sie sehen, wie ihre Entscheidungen direkte Auswirkungen haben.
Mit der Aufbau- und Wachstumsphase verändern sich Startup Jobs erneut. Prozesse entstehen, Teams wachsen, Hierarchien werden – zumindest ein Stück weit – formeller. Gleichzeitig eröffnen sich neue Karrierechancen, weil neue Rollen, Abteilungen und Führungspositionen entstehen. Wer früh bzw. sogar von Anfang an dabei war, kann hier profitieren.
Spätestens in der Reifephase fühlt sich ein Startup dann für viele fast wie ein Konzern an: mehr Sicherheit, mehr Struktur, aber oft auch weniger Freiraum. Manche lieben das, andere wechseln genau dann weiter.
Wichtig: je früher du einsteigst, desto höher sind Risiko, Verantwortung und Lernkurve – aber auch dein möglicher Karriere-Boost.
Startup vs. Konzern
Der Unterschied zwischen Arbeiten im Startup und einem Job in einem alteingesessenen Unternehmen ist eigentlich weniger eine Frage von besser oder schlechter, sondern mehr von deiner eigenen Persönlichkeit. Im Konzern bekommst du klare Strukturen, feste Prozesse und ein hohes Maß an Sicherheit. Dein Aufgabenbereich ist meist klar definiert, Entscheidungen dauern länger, aber dafür ist dein Arbeitsalltag planbar.
Startup Jobs funktionieren anders. Hier zählt nicht, wie lange du schon dabei bist oder welchen Titel du trägst, sondern was du beitragen kannst. Deine Ideen sind gefragt, dein Einsatz sichtbar. Gleichzeitig musst du damit klarkommen, dass nicht alles geregelt ist und Fehler dazugehören.
Long story short: der direkte Vergleich
Arbeiten im Startup
- Entscheidungen schnell, oft pragmatisch
- flexible Rollen
- Prozesse im Aufbau, viel Trial & Error
- Job kann sich ständig ändern
- Risiko höher, dafür mehr Bewegung
Arbeiten im Konzern
- Entscheidungen dauern länger, sind dafür stabiler
- klar definierte Rollen
- etablierte Prozesse und klare Standards
- Sicherheit höher, dafür weniger Tempo
Wichtig: natürlich kann man die hier aufgeführten Punkte nicht pauschalisierend auf alle Konzerne oder Startups anwenden. In der Praxis ist das oft ganz anders oder individuell geregelt. Wir möchten dir damit nur eine Übersicht geben, wie es sein KÖNNTE.
Die größten Vorteile / Chancen bei Startup Jobs
Viele entscheiden sich bewusst für Startup Jobs, weil sie schneller lernen wollen. In kaum einem anderen Umfeld bekommst du so früh so viel Verantwortung. Du arbeitest nicht nur in deinem Fachbereich, sondern bekommst Einblicke in Strategie, Kund:innen, Produktentwicklung und oft sogar in Finanzfragen. Diese Nähe zum gesamten Unternehmen sorgt für eine extrem steile Lernkurve.
Hinzu kommt die Art der Zusammenarbeit. Flache Hierarchien sind in Startups nicht nur ein Buzzword, sondern oft Realität. Der direkte Austausch mit Gründer:innen gehört zum Alltag. Entscheidungen werden transparent diskutiert, Feedback kommt schnell. Das Gefühl, wirklich gehört zu werden, ist für viele ein riesiger Motivationsfaktor.
Gerade für Berufseinsteiger:innen können Jobs im Startup außerdem Türen öffnen. Noten, Abschlüsse oder ein perfekter Lebenslauf sind oft weniger wichtig als Motivation, Lernbereitschaft und Persönlichkeit. Wer sich einbringt, kann in kurzer Zeit wachsen – fachlich wie persönlich.
Überblick: Chancen bei Startup Jobs
- Du lernst extrem schnell und vielseitig
- Verantwortung ab Tag 1
- Flache Hierarchien & direkter Draht zu Gründer:innen
- Kreativität & Mitgestaltung
- Karriere-Booster für Berufseinsteiger:innen
Die Schattenseiten: warum Arbeiten im Startup nicht für jede:n passt
So viel Freiheit hat allerdings ihren Preis. Startup Jobs sind mit Unsicherheit verbunden. Finanzierungen können platzen, Geschäftsmodelle scheitern, Märkte sich verändern. Gerade kleinere Startups bieten weniger Kündigungsschutz, was das Sicherheitsgefühl deutlich beeinträchtigen kann.
Auch die Arbeitsbelastung wird häufig unterschätzt. Die berühmte Hands-on-Mentalität bedeutet oft, dass Arbeit nicht einfach liegen bleibt. Überstunden, hohe Erreichbarkeit und Phasen mit extremem Druck sind keine Seltenheit. Wer keine klaren Grenzen setzt, riskiert langfristig Überlastung oder sogar Burnout.
Ein weiterer Punkt ist das Gehalt. Viele Jobs im Startup zahlen – besonders am Anfang – weniger als vergleichbare Stellen im Konzern. Manchmal wird das durch Anteile am Unternehmen ausgeglichen. Diese können im Erfolgsfall sehr wertvoll sein, im schlimmsten Fall aber auch komplett wertlos.
Überblick: Risiken bei Startup Jobs
- Unsicherheit
- Hoher Workload & Überstunden
- Geringeres Gehalt (vor allem am Anfang)
- Chaos statt Struktur
Fazit: Startup Jobs sind kein Selbstläufer, aber eine echte Chance
Arbeiten in Startups ist mit Sicherheit kein Garant für Erfolg. Es kann dich fordern, vielleicht auch manchmal mehr, als dir lieb ist. Es kann chaotisch, anstrengend und unsicher sein. Gleichzeitig kann es dir Chancen bieten, die du in vielen klassischen Unternehmen erst nach Jahren bekommst.
Wenn du Lust auf Verantwortung, Veränderung und Lernen hast, dann können Jobs im Startup ein riesiger Schritt nach vorn sein. Wenn du dagegen hauptsächlich Stabilität, klare Abläufe und Sicherheit suchst, wirst du dich dort eher unwohl fühlen.
Am Ende gilt: Startup oder Konzern ist eine Typfrage. Und genau das macht die Entscheidung so individuell.
(Absolventa/ Founders Foundation/ Jobbatical/ Media Lab/ MLP/ Randstad/ Startup Sucht/ Stay Too/ ThinkStartup/ SAHO)