Body Dysmorphia – was ist das?
Du findest deine Nase zu groß, deine Muskeln zu klein, deinen Bauch zu dick oder deine Haut einfach allgemein zu unrein? Die meisten Menschen sind, immerhin temporär, mal nicht so ganz okay mit dem eigenen Äußeren. Das muss auch nicht weiter schlimm sein – es kann es aber werden.
Wer sich zu stark auf die eigenen Makel fokussiert, anfängt wirklich darunter zu leiden und dieses Leiden immer schlimmer wird, könnte eine sog. Body Dysmorphia entwickeln, bzw. daran leiden. Was das ist und was du dagegen tun kannst, erfährst du genau hier.
Was ist Body Dysmorphia?
Bei einer Body Dysmorphie – oder auch Körperdysmorphie - liegt ein sehr großer Fokus auf einem Makel im eigenen Erscheinungsbild, den die Betroffenen selbst als extrem abstoßend wahrnehmen, obwohl er es in der Realität und für alle anderen nicht ist. Die eigene Perspektive auf die Problemstelle und die von außen sind hier komplett gegensätzlich, da der Makel, so wie er von den Betroffenen wahrgenommen wird, nur in ihrem Kopf existiert. Das kann grundlegend so ziemlich alles sein: bestimmte Teile des Gesichts wie Lippenfältchen, Nase, Hautbild, Ohren, aber auch andere Körperstellen wie Oberschenkel, Arme oder Brüste.
Wer darunter leidet, beschäftigt sich täglich mehrere Stunden mit seiner Problemstelle, schämt sich enorm dafür und versucht diese zu verstecken. Da Betroffene nicht selten denken, dass sie durch den Makel entstellt sind, ziehen sie sich immer mehr aus dem sozialen Umfeld und gesellschaftlichen Leben zurück. Das kann längerfristig nicht nur auf die psychische Gesundheit schlagen, bspw. zu Angststörungen oder Depressionen führen, sondern auch auf die körperliche.
Schönheitsops, nicht überprüfte Mittel von Quacksalbern oder selbst durchgeführte Eingriffe verschlechtern die Situation der Betroffenen oft nur und können ihnen zudem physisch schaden. Denn dadurch, dass der Makel ‚nur im Kopf‘ besteht, ist es eigentlich unmöglich ihn am Körper zu entfernen.
Ist Körperdysmorphie eine Essstörung?
Nein, Body Dysmorphia an sich ist keine Essstörung. Essstörungen können aber in Verbindung mit ihr auftreten, da viele Betroffene dazu neigen auch ihr Gewicht und dadurch Essverhalten stark zu kontrollieren. Die genauen Zusammenhänge von Körperdysmorphie und Essstörungen sind wissenschaftlich noch nicht vollständig erforscht.
Body Dysmorphia an sich tritt häufiger bei weiblichen Personen auf, wohingegen die sog. Muskeldysmorphie eher bei männlichen Personen auftritt. Hier steht der Muskelbau und auch die Sichtbarkeit der Muskelmasse im Vordergrund. Menschen, die an Muskeldysmorphie leiden, denken, dass sie zu wenig sichtbare Muskeln besitzen und schämen sich dafür. Extensives Training bis hin zur Einnahme von bspw. Anabolika sind oft die Folge – beides kann schnell gefährlich werden.
Was sind die Ursachen?
Die Ausprägung einer Körperdysmorphie kann mehrere Gründe haben, die alleine oder in Kopplung auftreten. So genau lässt sich das aber nicht verallgemeinern, sondern hängt eher vom Einzelfall ab.
Woraus sich am ehesten eine Body Dysmorphia entwickeln kann:
- Früher Kontakt zu einer Person, die an Body Dysmorphia oder einer ähnlichen Störung, leidet: wer in einem Haushalt aufwächst, indem falsche Körperbilder im Fokus stehen, eine übermäßige Beschäftigung mit äußeren Makeln und Co., ist stärker gefährdet in der Pubertät und im Erwachsenenalter selbst eine solche Erkrankung auszubilden.
- Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle: wer sowieso schon allgemein unsicher mit sich selbst ist, kann das auch schnell auf das eigene Äußere übertragen.
- Schlechte Erfahrung mit dem eigenen Körper, bspw. durch Mobbing: wer schon mal aufgrund äußerlicher Merkmale beschimpft, ausgelacht oder gemobbt wurde, entwickelt wahrscheinlicher als Folgeerscheinung eine Body Dysmorphia als Menschen, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben.
- Essstörungen oder andere (psychische) Erkrankungen: wer aufgrund von Unzufriedenheit mit dem eigenen Body schon ein gestörtes Essverhalten hat oder hatte, kann weitere Makel – zum Gewicht – etablieren. Übrigens: die Übergänge zwischen Körperdysmorphie und Essstörung können fließend sein.
Habe ich eine Körperdysmorphie?
Wenn auf dich zwei oder mehrere der Symptome der Body Dysmorphia zutreffen, könnte es sein, dass du darunter leidest. Die gängigsten Symptome sind:
- ein oder mehrere Makel, die dich extrem stören,
- tägliche, mehrstündige Beschäftigung mit dieser Problemstelle,
- große Scham in Bezug auf den Makel,
- sozialer Rückzug, Einschränkungen aufgrund dieses Makels,
- deine Schwachstelle wird von anderen als überhaupt nicht schlimm wahrgenommen,
- der Leidensdruck aufgrund des Makels wird immer größer – so groß, dass die eigene Lebensqualität darunter leidet,
- es kommt zu Folgeerscheinungen wie depressiver Verstimmung, Essstörungen, Angstzuständen oder ähnlichem – aufgrund der Problemstelle.
Für eine richtige Diagnose und auch weitere Hilfe solltest du bei gesundheitlichen und psychologischen Problemen immer einen Facharzt/eine Fachärztin aufsuchen.
Was kann man gegen Body Dysmorphia tun?
Wenn du die Befürchtung hast, dass du unter einer Körperdysmorphie leidest, solltest du dich als Erstes an einen Profi, also (Fach-)Arzt/Ärztin, wenden und abklären lassen, ob du damit richtig liegst.
Ist das der Fall, also leidest du unter Body Dysmorphie, gibt es leider kein gezieltes Heilmittel dagegen, also immerhin keine Tablette, die sofort hilft. Es gibt aber Ansätze und Therapieformen, die entweder die Symptome lindern können und/oder versuchen den Ursprung der Erkrankung zu verarbeiten.
Welche Therapie?
Gut behandelbar sind Erkrankungen, die mit der Body Dysmorphie zusammen oder als Folge von ihr auftreten: tritt bei einer Körperdysmorphie bspw. eine depressive Verstimmung/Depression oder Angststörung mit auf, kann diese mithilfe von Antidepressiva oder einer anderweitigen Zufuhr von Serotonin, behandelt werden.
Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kann längerfristig Linderung verschaffen. Bei dieser wird versucht, die negativen Gewohnheiten in Verbindung mit der Body Dysmorphia, wie bspw. das regelmäßige, aber schon unterbewusste und instinktive Überprüfen des Aussehens im Spiegel oder das Absagen von Treffen außerhalb des Safe Space, umzupolen. Durch bestimmte Übungen wird auch der Versuch gestartet, die eigene Vorstellung und Perspektive auf den Körper zu verbessern.
In jedem Fall ist die Einsicht, dass etwas nicht stimmt und man Hilfe braucht, immer der erste Schritt in Richtung Besserung. Schäm dich also nicht, rede mit Vertrauten über deine Probleme und Schwierigkeiten, vertrau dich einer Ärztin/einem Arzt an und lass dich über sämtliche Möglichkeiten, die deine Situation verbessern können, aufklären.
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